Mysterie-Box: Alianza Atlético – einer der ältesten Fußballvereine in Peru

Eine neue Serie auf FanLeben.de: Wir stellen Vereine aus aller Welt vor. Zufällig, aber mit spannenden Hintergrundwissen. Die Serie begann bei Atletico Lusaka in Sambia und es folgte der Club Atlético Pantoja aus der Dominkanischen Republik und ging mit Tromsø IL fast 350 Kilometer nördlich des Polarkreises weiter. Heute schauen wir dann nach Peru. Es wird blau, weiß, tropisch-heiß und demokratisch.

Die Geschichte von Alianza Atlético beginnt im Jahre 1920 mit Félix Peralta, einem Anhänger von Alianza Lima, ein 1901 gegründeter und bis mit 25 Meistertiteln bis heute erfolgreichster Fußballverein Perus. Peralta organisierte ein Treffen im Haus von José Taboada More in Sullana, um zu planen, wie man gemeinsam Sport treiben könne. Aus dieser Zusammenkunft entstand rasch der Club Sport Alianza. Zwei Monate später fusionierte der Verein mit dem Club Atlético Sullana. So entstand vor 106 Jahren schließlich Alianza Atlético Sullana, heute auch als Alianza Atlético de Sullana bekannt. Man gehört damit zu den ältesten und traditionsreichsten Fußballvereinen Perus.

Und der Verein entwickelte sich auch rasch zu einer festen Größe im Sportleben der Region. In einer Zeit, in der es noch keine einheitliche nationale Fußballliga gab, waren eben diese regionalen Wettbewerbe von entscheidender Bedeutung. Alianza Atlético etablierte sich in Südperu und gewann zwischen 1928 und 1986 insgesamt 35 Titel in der Liga de Sullana, einer tropischen Region des Landes, in der Sport treiben nun wirklich nicht leicht ist.

Der bedeutendste frühe Meilenstein folgte dennoch schon 1936. Damals qualifizierte sich eine Auswahl aus Sullana für einen nationalen Meisterschaftswettbewerb in Lima und gewann den Titel. Alianza Atlético trug maßgeblich zu diesem Erfolg bei: Acht Spieler des Vereins gehörten zur Auswahl, die außerdem Spieler anderer Mannschaften aus Sullana umfasste. Diese Unterscheidung ist wichtig. Der Titel von 1936 war ein Erfolg der Auswahl von Sullana und nicht ausschließlich ein Meistertitel der Vereinsmannschaft von Alianza Atlético. Und doch errinert bis heute der Name des heimischen Estadio Campeones del 36 an diesen historischen Triumph.

Dann war es lange eher ruhig. Fußball wurde stetig gespielt, aber eher auf zweitklassigen Nievau. Erst 1988 gelang Alianza Atlético der Aufstieg in die Primera División, die höchste peruanische Spielklasse. Damit begann dann jedoch eine neue Phase der Vereinsgeschichte. Und der Start in die neue Ära verlief auch gleich vielversprechend. 1989 gewann Alianza Atlético die Nordzonenmeisterschaft, Perus höchste Spielklasse war seinerzeit noch nach Himmelsrichtungen unterteilt, und qualifizierte sich damit für die anschließenden Play-offs um die Meisterschaft. In der entscheidenden Phase gewann die Mannschaft zwei ihrer fünf Partien und erreichte zwei Unentschieden. Im Duell mit Sporting Cristal unterlag sie jedoch mit 0:2. Der nationale Titel blieb also außer Reichweite. Auch in den folgenden Jahren gehörte der Verein im Norden zu den starken Mannschaften. 1990 und 1991 gelangen weitere Erfolge in den regional gegliederten Meisterschaftsabschnitten. Doch in den entscheidenden Finalspielen fehlte häufig der letzte Schritt zum ganz großen Erfolg. Übrigens stets in weißen Trikots mit blauer Scherpe – oder auswärts in blauen Trikots mit weißer Scherpe.

Mit der Umstellung auf eine gemeinsame nationale Liga im Jahr 1992 begann dann erst einmal wieder eine schwierigere Phase. Alianza Atlético kämpfte zeitweise gegen den Abstieg. Der Verein hielt sich jedoch in der ersten Liga und arbeitete sich schrittweise zurück ins Tabellenmittelfeld. Ein Höhepunkt war die Saison 1997. Alianza Atlético qualifizierte sich wieder für die Meisterrunde. Besonders auffällig war der Stürmer Ricardo Zegarra, dem laut der überlieferten Saisonbilanz 17 Tore gelangen. Damit wurde er Torschützenkönig der Primera División. Trotzdem reichte es für die Mannschaft in der Meisterrunde nur zu Rang fünf. Doch darauf aufbauend etablierte sich der Verein 1999 und 2003 zunehmend im oberen Tabellendrittel. Die Rückrunde 2003 brachte schließlich einen weiteren wichtigen Erfolg: Alianza Atlético sicherte sich die Vizemeisterschaft der Clausura, wie die Rückrunde genannt wird. In der Gesamttabelle belegte die Mannschaft den fünften Platz und qualifizierte sich so für die Copa Libertadores, also Südamerikas Champions League. Dort scheiterte man jedoch bereits in der Play-offs-Runde an Cienciano. Stattdessen man dann aber immerhin an der Copa Sudamericana teil. Der erste internationale Auftritt des Vereins führte Alianza Atlético gegen Coronel Bolognesi aus Peru und Atlético Junior aus Kolumbien. Von vier Partien konnte die Mannschaft nur eine gewinnen und schied früh aus.

Erst 2005 kehrte der Klub in die Copa Sudamericana zurück. Gegen Universitario de Deportes setzte sich Alianza Atlético in der ersten Qualifikationsrunde im Elfmeterschießen durch. Anschließend gewann die Mannschaft das Hinspiel gegen Universidad Católica aus Chile mit 2:0 und brachte sich damit in eine gute Ausgangslage. Im Rückspiel folgte jedoch eine deutliche 0:5-Niederlage. Erneut war die kontinentale Reise so früh beendet. Und auch die folgenden Ligajahre verliefen wechselhaft. 2008 erreichte Alianza Atlético in der Gesamttabelle immerhin den fünften Platz. In der Copa Sudamericana 2009 setzte sich die Mannschaft in der ersten Runde wieder durch, dieses Mal gegen Deportivo Anzoátegui aus Venezuela. Gegen Fluminense aus Brasilien folgte zunächst ein beachtliches 2:2. Im Rückspiel verlor Alianza Atlético dann allerdings erneut deutlich und schied mit einem 1:4 aus.

Die Identität von Alianza Atlético ist dabei bis heute eng mit Sullana und der Region Piura verbunden. Nicht zuletzt ziert das Stadtbild das Wappen. Auch die Fans des Klubs werden nach ihrer Heimatstdt als Churres bezeichnet. Ein weiterer Spitzname ist El Vendaval, der Sturm. Er steht für die kämpferische Haltung der Mannschaft und ihren beständigen Anspruch, sich auch gegen vermeintlich überlegene Gegner durchzusetzen. Die Fans unterstützen den Verein nicht nur mit ihrer bloßen Anwesenheit im Stadion. Sondern auch mit beeindruckender Bildern auf den Rängen: Während der Spielzeit 2019 zum Beispiel arbeiteten verschiedene Fangruppen mehr als acht Monate an einer großen Fahne, die bei einem Spiel die gesamte Nordtribüne bedecken sollte. Weitere Aktionen mit Luftballons und Papierschnipseln waren Teil der beeindruckende Choreografie.

Das bereits erwähnte Estadio Campeones del 36 ist dabei ein wichtiger Bezugspunkt. Zwar wurde es 2000 neu gebaut, jedoch an der selben Stelle, an der bereits 1917 das erste Fußballstadion der Stadt stand. Das Estadio del 1936 steht damit für die Geschichte des Vereins und den Fußball der Stand und wird auch El Horno, der Ofen, genannt. Der Spitzname passt damit gleich doppelt zu Alianza Atlético: Einerseits erinnert es an viele hitzige Duelle und damit an die Leidenschaft, welche nicht zuletzt die Fans ihrer Mannschaft vorleben. Andererseits kommen einem bei diesem Namen natürlich auch die ebenfalls bereits erwähnten tropischen Temperaturen in Peru in den Sinn. Zum Verein gehören dabei aber auch zahlreiche Nachwuchsmannschaften. Das Frauenteam war 2021 Gründungsmitglied der ersten semi-professionellen Frauenliga des Landes und gewann gleich 2022 ungeschlagen die regionale Phase des Copa-Perú-Wettbewerbs. Auch hier gehört man also zu den Vorreiter*innen.

Noch mehr Fußballromantik gefällig? Bitteschön: Alianza Atlético tritt bis heute als Asociación Deportiva Club Alianza Atlético de Sullana auf. Also als eingetragener Sportverein. Die Mitglieder bestimmen bei Alianza Atlético also seit 106 Jahren über ihren Klub – von Félix Peralta bis heute. Das ist keineswegs selbstverständlich, andere peruanische Spitzenmannschaften sind längst als Kapitalgesellschaften organisiert und gehören nicht mehr den Fans, sondern Investoren. Alianza Lima zum Beispiel wurde vor Jahren von einem Investmentfond übernommen, aktuell läuft ein Insolvenzverfahren. Aber zurück zu Alianza Atlético. Eine prägende Figur der Gegenwart ist Lander Alemán Valdez, der seit 1995 als Präsident an der Spitze des Vereins steht. Seit 2025 gehört er zudem zur Führung des peruanischen Fußballverabdes.

Aber zurück zum Sport. Nach einem zwischenzeitlichen Absiteg spielt Alianza Atlético seit 2021 wieder in der höchsten peruanischen Spielklasse. Die Saison 2025 brachte sogar einen weiteren wichtigen Erfolg: Mit – na klar! – Rang fünf in der Gesamttabelle qualifizierte sich der Verein für die Copa Sudamericana 2026. Und: Unter Trainer Federico Urciuoli gelang in der Qualifikationsrunde setzte sich Alianza Atlético mit 2:0 gegen Deportivo Garcilaso durch und erreichte so erstmals die Gruppenphase der zweitwichtigsten Vereinsmeisterschaft des Kontinents. Dort warteten dann América de Cali aus Kolumbien, Tigre aus Argentinien und Macará aus Ecuador. Die Gruppenphase erwies sich dann allerdings als schwierig. Alianza Atlético holte zwei Unentschieden und verlor vier Spiele. Mit zwei Punkten und einem Torverhältnis von 2:9 belegte die Mannschaft den letzten Platz der Gruppe und schied aus. Doch dafür bot im nationalen Fußball im Herbst 2026 eine weitere Chance auf einen Titel. In der Copa Caliente der Liga erreichte Alianza Atlético das Halbfinale gegen Sport Boys. Das Hinspiel am 27. September gewann die Mannschaft aus Sullana auswärts mit 5:2. Im Rückspiel am 6. Oktober setzte sie sich vor heimischem Publikum mit 3:0 durch. Mit einem Gesamtergebnis von 8:2 qualifizierte sich der Klub damit gerade erst für das Finale gegen Sporting Cristal, das für den 15. November 2026 angesetzt ist.

35 regionale Titel und eine geteilte nationale Meisterschaft hat Alianza Atlético schon gesammelt – vielleicht ommt also nächsten Monat ein weiterer Peru-weiter Pokal dazu. Ob Félix Peralta das für möglich gehalten hätte, er 1920 einen Fußballverein gründete? Und ob er es für möglich gehalten hätte, das sein Verein auch 100 Jahren später nur den Menschen in der Region verpflichtet ist, während das sein Vorbild längst an Investoren gefallen ist?

Am Ende ist das auch egal. Wichtig ist, was aus seinem Verein geworden ist. Und das ist beeindruckend. Eine schöne Geschichte, die wir heute aus der Mysterie-Box gezogen haben.

Oder?

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Von admin