Eigentlich ist es eine der schönsten Geschichten dieser Weltmeisterschaft: Kap Verde ist sensationell aus Gruppenzweiter hinter Spanien, aber noch vor den hoch-favorisierten Uruguayern ins Sechzehntelfinale eingezogen. Torwart Vozinha, mit 40 Jahren der Rückhalt der Mannschaft, ist zum Internet-Phänomen geworden und vermutlich drückt fast die gesamte Fußball-Welt Kap Verde die Daumen, wenn das Team in der Nacht von Freitag auf Samstag gegen den amtierenden Weltmeister Argentinien um Superstar Lionel Messi antreten wird.
Doch die schönste Geschichte scheint ein eigenes Horror-Kapitel zu haben. Und das betrifft Kap Verdes Kapitän Ryan Mendes. Dem 36-jährigen, der in der zweiten türkischen Liga aktiv wird, wird eine Vergewaltigung vorgeworfen. Demnach soll Mendes im März in Neuseeland in das Hotelzimmer einer brasilianischen Übersetzerin der Nationalmannschaft eingedrungen sein und die Frau dort erst gewürgt und anschließend sexuell missbraucht haben. Die neuseeländische Polizei ermittelt bereits gegen den Fußball-Profi.
Gegenüber der Polizei erklärte die Übersetzerin den mutmaßlichen Tathergang wie folgt: Sie sei am Abend nach dem Testspiel zwischen Kap Verde und Chile am 27. März (Kap Verde verlor mit 2:4), das in Auckland ausgetragen wurde, in ein Hotelzimmer gerufen worden, das für die Nationalmannschaft reserviert gewesen sei. Als sie dort ankam, habe sie festgestellt, dass sie nicht als Dolmetscherin benötigt wurde und kehrte deswegen in ihr Zimmer zurück. Kurz darauf hörte sie ein Klopfen an der Tür. Als sie öffnete, soll Mendes gewaltsam in ihr Zimmer eingedrungen sein. Er habe sie dann gewürgt, auf sie eingeschlagen, sie gebissen und anschließend vergewaltigt. Fotos von Verletzungen an Mund, Hals und Bein liegen der Polizei vor. Die Ermittler in Neuseeland haben Videoaufnahmen aus dem Hotel sichergestellt. Aktuell läuft noch eine forensische Untersuchung. Anschließend wird über eine Anklageerhebung gegen Mendes entschieden.
Besonders dramatisch: Die Übersetzerin berichtet, dass sie sich nicht nur an die Polizei, sondern zunächst auch an drei Funktionäre des kapverdischen Fußballverbandes gewendet habe, diese haben jedoch nicht auf ihre Vorwürfe reagiert.
Bereits im vergangenen Monat berichtete das neuseeländische Fernsehen über die Tat, ohne jedoch den Namen Mendes‘ zu nennen. Jetzt wandte sich die Frau zudem ans brasilianische Fernsehen, wodurch der mutmaßliche Täter auch öffentlich wurde. Daraufhin gab immerhin die FIFA eine Stellungnahme ab. Der Weltfußballverband teilte mit, er stehe in Kontakt mit den neuseeländischen Behörden und nehme alle Vorwürfe wegen Fehlverhaltens „äußerst ernst“.
Mendes selbst hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Auch seine Mitspieler schweigen.
Ryan Mendes ist dabei nicht der einzige WM-Spieler gegen den wegen Vergewaltigungsverbrechen ermittelt wird. Ghanas Kapitän Thomas Partey ist in England gleich wegen fünfacher Vergewaltigung angeklagt, verpasste deswegen sogar das erste Gruppenspiel seiner Mannschaft (FanLeben.de berichtete).
Der Fall zeigt: Die FIFA braucht endlich eine verpflichtende Strategie zum Umgang mit Vergewaltigungsvorwürfen, eine, welche Frauen schützt und ihre Glaubwürdigkeit stärkt, die also der gesellschaftlichen Verantwortung des Fußballs gerecht wird.
Denn wenn Spieler wie Mendes zu den Vorwürfen schweigen, was in einem Strafverfahren natürlich ihr gutes Recht ist, tragen sie zur Relativierung von Gewalt gegen Frauen bei – deswegen sollten sie solange sie die Vorwürfe nicht glaubhaft ausräumen können, auch keine Fußballspiele auf internationaler Ebene bestreiten dürfen.
