Nachdem der ehemalige 1860-München-Investor Hasan Ismaik, wie schön übrigens, diese Bezeichnung so formulieren zu können, zugesagte Darlehen kurzfristig kündigte und der Verein in der Folge seine Drittliga-Lizenz verlor, kündigte 1860 den Kooperationsvertrag mit Ismaik und startet den Neuaufbau der Löwen in der viertklassigen Regionalliga Bayern ohne den Jordanier. Ein unangenehmer Nebeneffekt: Durch die Gründung der neuen Spielbetriebsgesellschaft wurden die Dauerkarten, die Fans bereits bei der alten KGaA, also der, an er Ismaik beteiligt war, gekauft hatten, wertlos. Immerhin klappte die Rückerstattung dieser Saisonticket bei Zahlungen via Kreditkarte, Debitkarte oder PayPal in vielen Fällen. Fans aber, die klassisch per Banküberweisung bezahlt hatten, blieben auf ihren Kosten sitzen.

Ein normales Insolvenzrisiko, ja. Aber doch mit einem besonderen Glaubwürdigkeitsproblem für die Sechzger verbunden, denn wenn der Verein nicht eine neue Spielbetriebsgesellschaft gegründet hätte, wären die Dauerkarten nicht wertlos geworden, sondern hätten für die gerade mit zwei Unentschieden begonnene Regionalliga-Saison genutzt werden können. Es könnte Dauerkartenkäufer*innen in Zukunft abschrecken, wenn immer die Gefahr besteht, dass eine neue Spielbetriebsgesellschaft gegründet wird und die erstandenen Tickets so wertlos (gemacht) werden. Es brauchte also eine Lösung.

Und die fand sich in Person eines 1860-nahen Unternehmers, der nicht genannt wird. Dem Verein ist die Identität des Sponsoren allerdings bekannt. Gemeinsam startete man einen Aufruf, dass sich die Fans, die ihr Geld nicht zurückerhalten hatten, melden könnten und vom Sponsor entschädigt würden. Bis zum Ablauf der Frist gingen insgesamt 90 Unterstützungsgesuche per E-Mail ein. Der Sponsor übernahm dann auch die Sichtung sowie die komplexe Abwicklung eigenständig und investierte so neben dem Kapital erheblichen zeitlichen Aufwand, da er beispielsweie auch Trittbrettfahrer*innen aussortieren musste. Die finanzielle Abwicklung erfolgte schließlich rechtssicher über eine zugeschaltete Anwaltskanzlei. Unterm Strich profitierten 71 Löwenfamilien von der Hilfsaktion, bei der 107 Dauerkarten mit einem Gesamtvolumen von 34.243 Euro ausgeglichen wurden. Der Großteil der erstattungswürdigen Saisontickets entfiel dabei auf den Stehplatzbereich der Westkurve. Einen besonders hohen Anteil machten zudem Anträge von Personen mit Schwerbehinderung aus.

Beim ersten Heimspiel der Löwen gegen die Zweitvertretung des FC Augsburg gab es dafür Applaus von den 15.000 Fans im ausverkauften Stadion an der Grünwalder Straße. Zurecht, denn die Aktion zeigt, dass der Fußball zusammenhält – und dass Ehrlichkeit manchmal dann doch belohnt wird. Gerade in herausfordernden Zeiten.

Unser Newsletter: 1x die Woche exklusive Inhalte kostenlos in Dein Postfach holen:

Von admin