Die Weltmeisterschaft ist fast einen Monat vorbei und damit kehrt langsam Ruhe in den Weltfußball ein – kleiner Scherz, denn FIFA-Chef Gianni Infantino tut natürlich alles, um nicht in Vergessenheit zu geraten. Sein Vorschlag, die WM zu privatisieren, bedroht inzwischen zwar sein Vorhaben, im kommenden Jahr als Präsident des Weltverbandes wiedergewählt zu werden, nachdem es aus Europa und Asien weitreichende Kritik an ihm gab, aber auch hier gibt es Absurditäten: Denn der Präsident des Argentinieschen Fußballverbandes soll mit einem WM-Boykott seines Landes für den Fall, dass Infantino nicht wiedergewählt wüde, gedroht haben. Aber lassen wir das.

Denn viel spannender als das Geltungsbedürfnis des offenbar korrupten FIFA-Chefs ist doch die Frage, was eigentlich aus einem anderen WM-Helden geworden ist: Josimar José Évora Dias – besser bekannt als Kap Verdes WM-Torhüter Vozinha – ist als 40-jähriger Ersatztorhüter aus der zweiten Liga Portugals ins Tunier gegangen, ohne Vertrag für die Zeit nach der Weltmeisterschaft. Inzwischen hat er rund 20 Millionen Follower auf Instagram und einen neuen Verein: Colo-Colo, der Rekordmeister Chiles, über den FanLeben.de bereits hier ausführlich berichtet hat. Sechs Monate ist Vozinhas Vertrag gültig.

Vozinha kam am letzten Sonntag in Santiago an und wurde dort von den Fans von Colo-Colo begeistert empfangen. Zwei Tage später absolvierte er gemeinsam mit seinen neuen Mannschaftskollegen sein erstes Training. Aber wieso hat sich der Torhüter für Chile und Santiago entschieden? „Die Entscheidung war ganz klar. Obwohl ich in kleineren Ligen bei Vereinen gespielt habe, die nicht gerade zu den großen Klubs gehörten, habe ich mir tief im Inneren immer gesagt, dass ich ein Spieler für einen ‚großen Klub‘ bin“, erklärt Vozinha selbstbewusst. „Als Colo-Colo dann anfragte, gab es für mich keinen Zweifel. Vom ersten Tag an wusste ich, wo ich spielen wollte. Ich hatte viele Angebote, aber Colo-Colo hatte für mich immer Priorität. Die Weltmeisterschaft war das Beste, was mir im Fußball je passiert ist. Aber das ist jetzt Vergangenheit. Hier zu sein und Colo-Colo zu repräsentieren – einen großen Verein mit einer reichen Geschichte – ist der Höhepunkt meiner Vereinskarriere.“

Besonders spannend: Mit seiner Verpflichtung hat Vozinha direkt auch eine Regeländerung beim Chilenischen Fußballverband durchgesetzt. Denn gemäß der Ligaregeln, müsste er eigentlich unter seinem bürgerlichen Namen Josimar Jose Evora Dias auflaufen. Die Bestimmungen der ANFP schreiben nämlich vor, dass „Spitznamen, Bezeichnungen oder Beinamen auf den Trikots nicht erlaubt sind“. Doch Colo-Colo konnte jedoch erfolgreich eine Genehmigung erwirken, sodass er unter seinem berühmten Spitznamen spielen darf. „Vozinha“ bedeutet auf Portugiesisch „kleine Oma“.

Vozinha selbst freut sich sehr über die Ausnahme: „Das ist der Name, den ich mein ganzes Leben lang verwendet habe. Auf den Kapverden hat er eine große Bedeutung und eine lange Geschichte, und mittlerweile hat er diese Bedeutung auch weltweit.“ Und weiter: „Wenn meine Großmutter heute noch leben würde, wäre sie, glaube ich, stolz. Ich hoffe, den Namen für den Rest meiner Karriere als Hommage an sie tragen zu können.“

Klingt wie eine schöne Fortsetzung des WM-Märchens. Freut uns für dich, kleine Oma!

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Von admin