Jetzt steht es fest: Der TSV 1860 München muss aus der Dritten Liga in die Regionalliga Bayern absteigen. FanLeben.de hatte gestern über die Hintergründe berichtet.
Mit dem Zwangsabstieg der Löwen wird damit ein weiterer Platz in Liga drei frei. Eigentlich eine Möglichkeit, den 1. FC Lokomotive Leipzig nachrücken zu lassen. Denn der Meister der Regionalliga Nordost war in den Aufstiegsplayoffs an den Würzburger Kickern gescheitert. Ungerecht – weil Meister müssen aufsteigen.
Doch für Lok Leipzig, übrigens Nachfolgeverein des VfB Leipzig, dem ersten deutschen Fußballmeister, ändert sich durch das Aus für die Giesinger erst einmal gar nichts. Der Grund hierfür ist in Paragraf 55a der Spielordnung der 3. Liga zu finden, der den Abstieg behandelt. „Wird einem der 3. Liga zuzuordnenden Verein eine für die kommende Spielzeit bereits erteilte Zulassung vor dem ersten Spieltag entzogen oder eine beantragte Zulassung nicht erteilt, obwohl er nicht abgestiegen ist, oder gibt er sie zurück, so gilt er vorbehaltlich der dort gültigen Zulassungsvoraussetzungen als Absteiger in die 4. Spielklassenebene und rückt somit an den Schluss der Tabelle der 3. Liga der vorausgegangenen Spielzeit“, so die Regularien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). „Die Anzahl der aus sportlichen Gründen abgestiegenen Vereine der vorangegangenen Spielzeit vermindert sich entsprechend.“ Weil die Mannen aus München-Giesing automatisch Tabellen-20. sind, springt Havelse also vom 17. auf den 16. Platz. Die Münchner beendeten die Saison sportlich auf Platz acht, was zudem bedeutet, dass sich jeder dahinter platzierte Klub um einen Rang verbessert – wichtig für etwaige TV-Gelder-Anteile.
Aber will der TSV Havelse, immerhin der kleinste Profi-Fußball-Standort in Deutschland, überhaupt in der dritten Liga bleiben? Daran gab es zuletzt Zweiel, unter anderem weil das Stadion des Vereins nicht den Vorgaben des DFB genügt. Gestern dann machte Havelse-Geschäftsführer Florian Riedel klar: „Der TSV Havelse hat für die 3. Liga, die Regionalliga Nord sowie die U19-Nachwuchsliga alle erforderlichen Unterlagen fristgerecht und vollständig beim DFB bzw. NFV eingereicht und an den jeweiligen Lizenzierungs- und Zulassungsverfahren teilgenommen.“ Und weiter: „Das Ergebnis der jeweiligen Verfahren wird dem Verein nach Prüfung der eingereichten Unterlagen durch die zuständigen Verbände mitgeteilt.“
Bei positiven Bescheid würde Havelse dann in der Dritten Liga bleiben. Denn derr Stolz auf die eigene Mannschaft, die nach dem katastrophalen Saisonstart zum Ende der Spielzeit immerhin vier der letzten acht Partien gewinnen konnte, überwiege und mache Mut für die Zukunt. Außerdem sei der TSV Havelse selbst „ein Beispiel dafür, dass sportliche Träume auch mit begrenzten finanziellen Mitteln, überwiegend ehrenamtlichen Strukturen und harter Arbeit verwirklicht werden können“. Seine Heimspiele würde der Verein dann erneut im Eilenriedestadion in Hannover austragen. „Für die vertrauensvolle und unterstützende Zusammenarbeit bedanken wir uns ausdrücklich bei den Verantwortlichen unseres Nachbarn Hannover 96“, erklärten die Niedersachsen.
Mitgefühl zeigt man auch mit den Verantwortlichen und Anhängern der Münchner Löwen: „Als Sportler glauben wir an einen Fußball, in dem Sieg und Niederlage sowie Aufstieg und Abstieg auf dem Platz entschieden werden. Durch die Leistungen der Mannschaften und nicht durch Entscheidungen außerhalb des Spielfelds“, heißt es im Statement. „Vor diesem Hintergrund wissen wir, dass die aktuellen Entwicklungen für viele Spieler, Trainer, Mitarbeiter und Fans anderer Vereine mit großer Enttäuschung verbunden sind. Das Zustandekommen solcher Entscheidungen entspricht nicht dem Ideal des Sports, den wir alle lieben.“
Zumindest eine positive Nachricht in Sachen Regelkunde gibt es dabei auch für 1860 München: Die zweite Mannschaft, aktuell in der fünftklassigen Bayernliga am Ball, muss nicht ebenfalls zwangsabsteigen, es gibt keine Kettenreaktion. Denn „die Kombination aus Regionalliga Bayern und Bayernliga ist gemäß § 9 der BFV-Spielordnung für Vereine mit zwei oder mehr Mannschaften im Spielbetrieb möglich“, schreibt der Bayerische Fußballverband.
Das System der Liga-internen Nachrücker ist einerseits in sich logisch. Andererseits aber ist es nicht fair, solange nicht alle, die sich sportlich als Meister der nächsthöheren Ligen für den Aufstieg qualifiziert haben, auch tatsächlich aufsteigen können. Für Havelse, einem echten eigentragenen Verein, der auch tatsächlich von seinen Mitgliedern getragen wird, kann man sich nur mitfreuen. Aber Fakt bleibt: Meister müssen aufsteigen. Es braucht eine Regionalliga-Reform.
