1860 München spielt in der kommenden Saison nur noch viertklassig. Dem eigentragenen Verein TSV München von 1860 und Investor Hasan Ismaik als Gesellschafter der bisherigen Spielbetriebsgesellschaft der Sechziger gelang es bis Mittwochabend nicht, die vom DFB geforderten Sicherheiten für eine erneute Drittliga-Lizenz aufzubringen. Ismaik behauptete im Nachgang zwar, dass notwendige Geld hätte bereitgestanden, er und der Verein hätten sich nur nicht auf neue Rahmenbedingungen für die bestehende Kooperation einigen können, aber FanLeben.de weiß: So einfach ist es nicht.
Die Geschichte beginnt früher. Im Sommer des letzten Jahres hat 1860 München viel Geld in seinen Kader investiert. Unter anderem kamen Torhüter Thomas Dähne und Stürmer Florian Niederlechner, dazu wurde Ex-Nationalspieler Kevin Volland zurück nach Giesing geholt. FanLeben.de weiß: Auch um diese Transferoffensive gab es im Vorfeld streit. Im Aufsichtsrat der Spielbetriebsgesellschaft, der teure Transfers und Gehälter genehmigen muss, wurde lange über diesen Kurs diskutiert. Dem Aufsichtsrat gehören dabei sechs Personen an – drei entsendet der eingetragene Verein, drei kommen aus dem Umfeld des Investors. Die drei Vereinsvertreter sahen vor allem die hohen Gehälter kritisch, plädierten für einen zurückhaltenderen Kurs. Die drei Ivestorenvertreter wiederum gierten nach dem Prestige und wollten auf diese Weise den Aufstieg in die 2. Bundesliga erzwingen. Eine richtungsentscheidende Abstimmung im Kontrollgremium endete daraufhin 3:3, deswegen entschied die Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden. Das ist aktuell Herbert Bergmaier, der dem Ismaik-Lager zugerechnet wird. Dieser Vorgang wurde FanLeben.de von mehreren Quellen aus dem Aufsichtsratsumfeld bestätigt. Stimmt das ist klar: Den kostspieligen Kurs des letzten Jahres verantwortet nicht der eingetragene Verein, sondern Ismaik selbst.
Die zweite wesentliche Ursache dafür, dass der DFB zuletzt kurzfristig Finanzierungszusagen einforderte war, dass Ismaik im Mai Dahrlehensverträge mit der Spielbetriebsgesellschaft kündigte. Ismaik argumentiert, dass er gleichzeitig bessere Bedingungen angeboten habe. Fakt ist aber auch, dass er den eingetragenen Verein damit in eine weitere Abhängigkeit zu sich selbst getrieben hat. Um weiter Dritte Liga zu spielen, hätte der Verein gegenüber dem Investor massive Zugeständnisse machen, ja, de Facto sogar die 50+1-Regel aufgeben müssen. Dem aber – so argumentiert auch das Löwen-Präsidium – hätte der DFB-Lizenzausschuss nicht zustimmen können. Ob Ismik das nicht wusste oder nicht wahr haben wollte? Unwichtig. Im Ergebnis hat der Jordanier damit sein eigenes Investment verramscht. Denn Anteile an einer Regionalliga-Mannschaft sind kaum so viel Wert wie die an einem Drittligisten.
All das erklärt, was in den letzten gut 60 Stunden rund um die Grünwalderstraße passiert ist. Denn unmittelbar nach dem feststehenden Lizenzverlust bereitete der eingetragene Verein den endgültigen Bruch mit dem Investor vor. In der Nacht verfasste man die außerordentliche Kündigung des bestehenden Kooperationsvertrags, ließ sie gestern anwaltlich prüfen, bevor sie Ismaik zugestellt wurde. Gleichzeitig sprach man mit dem für die Regionalliga Bayern verantwortlichen Bayerischen Fußballverband darüber, ob die Regionalliga-Lizenz anstelle der Spielbetriebsgesellschaft auch dem eingetragenen Verein erteilt werden würde. Dies sagte der BFV aufgrund seiner Statuten umgehend zu. Heißt: 1860 München kann ab der kommenden Saison ohne die alte Spielbetriebsgesellschaft an den Start gehen. Die existiert weiter, Ismaik hält an ihr auch weiter Anteile, nur Fußball wird da nicht mehr gespielt.
Wichtig zu wissen: Einige Markenrechten am TSV 1860 München gehören zwar weiterhin der Spielbetriebsgesellschaft, allerdings hat auch der eingetragene Verein Rechte am Löwen-Logo, Namen und Design, kann diese also auch verwenden, was beispielsweise auch ein eigenes Merchandising-Angebot ermöglicht und damit die wirtschaftliche Rahmenbedingungen für den Neubeginn in Liga vier schafft. Auch das städtische Stadion an der Grünwalder Straße ist, wie der Name schon sagt, nicht Teil der Spielbetriebsgesellschaft und könnte entsprechend auch weiter genutzt werden. Da hat der Verein also beste Voraussetzungen um sich wieder unabhängig von Ismaik zu machen.
Hasan Ismaik, das dürfte das Fazit dieser Tage sein, hat sich offenbar nach Kräften verzockt. Ein Investor weniger. Und hoffentlich eine Lektion, die die Löwen damit ein für alle Mal gelernt haben.
