Zeit für eine neue Serie auf FanLeben.de: Ex-Profis im Amateurfußball! Denn Anfang machte hier Mehmet Ekici. Es folgten Marcel Halstenberg, Julian Schieber, Ibrahima Traore und Kevin Großkreutz, während Ömer Toprak den umgekehrten Weg ging, Andreas Görlitz sogar in der Politik aktiv geworden ist, Almut Schult eine neue Position gefunden hat, Daniel Didavi als Hobby-Trainer durchstartet und Nicolas Höflers Rückkehr auf die Freiburger-Fußball-Schulbank. Heute geht es um Ronaldinho.
Es ist lange her, aber Ronaldinho war eine Zeit lang der beste Fußballer auf diesem Planeten. Zweimal wählte die FIFA ihn zum Weltfußballer, einmal gewann er den Ballon d’Or. Mit Brasilien gewann er die Copa America und die Weltmeisterschaft 2002, mit dem FC Barcelona zweimal die spanische Meisterschaft und einmal die Champions League. 2013 konnte er mit Atlético Mineiro noch die Copa Libertadores gewinnen. Fast 500 Profispiele für acht Vereine und 97 Länderspiele für die Seleção stehen zu Buche. Bis jetzt: Denn Ronaldinho plant offenbar sein Comeback in der dritten italienischen Liga.
Das ist natürlich irgendwie aufregend. Fast so, als würde Lionel Messi in ein paar Jahren plötzlich für Waldhof Mannheim kicken wollen. Und für seinen neuen Verein, den FC Ravenna, ist es natürlich ein Coup. Aber was steckt wirklich hinter der Verpflichtung? Und welchen Wert kann Ronaldinho für seine neue Mannschaft tatsächlich noch haben?
Fest steht: Das erste Karriereende von Ronaldinho verlief nicht gerade stilvoll, die Zeit danach auch nicht. Immer wieder zerstritt er sich mit seinen späten Trainern, schwänzte Trainingseinheiten, ja, sogar Spiele oder verließ aus Protest gegen eine Auswechselung auch mal frühzeitig das Stadion. 2020 wurde er wegen dem Verwenden gefälschter Pässe sogar zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, war rund sechs Monate in Mexiko inhaftiert. Außerdem unterstützte er den inzwischen wegen eines Putschversuches verurteilten rechtsextremen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro mehrfach im Wahlkampf. Ronaldinho – eine zerfallene Legende.
Jetzt also die Rückkehr auf den Fußballplatz – und zwar ganz betont so, als wäre nie etwas gewesen, wie Ronaldinho mit seiner ersten Wortmeldung zum Wechsel deutlich macht: „Neue Farben, dasselbe Lächeln“. Fest steht: Beim FC Ravenna, einem Klub aus der Emilia Rogana, eine Region Italiens, bekannt für ihre mittelalterlichen Städte, die reichhaltige Gastronomie und die Urlaubsorte an der Küste, wird Ronaldinho auf einen echten Fan treffen. Der Verein gehört nämlich dem italienischen Unternehmer und Hotelkettenbesitzer Ignazio Cipriani. Nach dessen Einstieg 2024 schaffte Ravenna den Aufstieg aus der Serie D in die Serie C und verpasste in der abgelaufenen Saison nur knapp den Durchmarsch in die Serie B. Und er sagt: „Die Verpflichtung von Ronaldinho ist etwas absolut Außergewöhnliches für den Verein – er war mein Idol, und sein Einfluss auf den Fußball geht weit über das hinaus, was er auf dem Platz geleistet hat.“
Cipariani stammt zwar aus Ravenna, wohnt inzwischen aber selbst in den USA. Dort soll Ronaldinho auch als Neuzugang für seinen Klub vorgestellt werden. Also doch vor allem eine PR-Aktion? Der Spieler selbst bestreitet das: „Ich kann es kaum erwarten, wieder mit dem Ball zu tanzen, um gemeinsam mit Ignazio und der gesamten Familie Cipriani eine neue Geschichte zu schreiben“, wird Ronaldinho zitiert. „Fußball war für mich schon immer eine Quelle der Freude, und diesen Geist möchte ich nach Ravenna bringen.“ Auch Cipariani hat bestätigt, dass Ronaldinho zumindest die Saisonvorbereitung mit seiner Mannschaft absolvieren soll. Ravennas Vizepräsident Ariedo Braida gibt sich da deutlich zurückhaltender: „Ob er spielen wird, werden wir sehen“, sagte Braida. „Aber es ist nicht ausgeschlossen.“ Fest steht, dass Ronaldinho in jedem Fall Anteile am Klub übernehmen soll.
Und so wirkt das alles doch eher nach der PR-Aktion eines reichen Vereinsbosses statt nach einer ehrlichen Rückkehr an die Wurzel des Fußballs. In Mannheim brauchen sie wohl auch nicht auf Messi zu warten. Erwartbar- Aber irgendwie schade ist es schon.
