Kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft löschte Michael Olise alle Beiträge auf seinem Instagram-Account. Natürlich begannen sofort die Spekulationen: Plant der französische Nationalspieler seinen Abgang aus München? Ein solches „Cleaning“ der eigenen Accounts ist unter Influencern immerhin üblich, wenn ein neues Karriere-Kapitel eingeläutet werden soll. Und ein passendes Wechselgerücht gab es ja auch: Real Madrid soll am Flügelstürmer des FC Bayern München interessiert sein, die Königlichen sahen sich zwischenzeitlich sogar gezwungen, öffentlich klarzustellen, dass noch keine Einigung mit dem FC Bayern bezüglich eines Olise-Transfers erzielt worden sei.

Inzwischen haben die Spekulationen etwas abgenommen. Und auf Olises Insta-Account gibt es auch wieder Beiträge. Doch die sehen irgendwie besonders aus: Zwar zeigen sie den mit fünf Assists bislang besten Vorlagengeber der Weltmeisterschaft während der Spiele in den USA, Kanada und Mexiko, aber die Fotos sehen irgendwie kornig, fast verpixelt aus, eher nach Fernseh-Bildschirm als nach Stadion-Hochglanz.

Woran das liegt? Es sind tatsächlich Fotos, die von einer Fernsehübertragung aufgenommen wurden.

Dahinter steckt die bekannte Sportfotografin Florence Pernet. Pernet begleitet Olises Karriere seit Jahren. Ihre Bilder sind regelmäßig auf seinen Social-Media-Kanälen zu sehen. Für die Weltmeisterschaft in den USA erhielt sie jedoch keine Akkreditierung und durfte die Spiele daher nicht aus den Stadien fotografieren. Stattdessen arbeitete sie von zu Hause aus weiter und fotografierte die Partien direkt vom Fernsehbildschirm mit ihrer Kamera. Anstatt ihre Arbeit durch Tausende hochauflösende Bilder akkreditierter Fotografen zu ersetzen, entschied sich Olise bewusst dafür, während des gesamten Turniers ausschließlich Pernets Aufnahmen zu veröffentlichen. Damit stellte er sicher, dass seine langjährige Fotografin trotz der verweigerten Akkreditierung Teil seiner Weltmeisterschaft blieb.

Warum genau Pernet nicht zur WM reisen durfte, ist unklar. Die FIFA erlaubt jedem teilnehmenden Verband eine bestimmte Zahl an Fotograf*innen anzumelden. Möglicherweise konnte Pernet als Freelancerin nicht genug Auftraggeber*innen nachweisen, um ins französische Foto-Kontingent zu rutschen. Allerdings kann die FIFA auch ohne Begründung vorgeschlagene Fotograf*innen ablehnen. Dem Weltverband wird vorgeworfen, dass er auf diese Weise große Fotoagenturen gegenüber kleineren Medien bevorzugt.

So oder so: Doch durch ihre Nicht-Akkreditierung ist Florence Pernet zu einem richtigen WM-Star abseits des Platzes geworden. Denn nicht nur Michael Olise, sondern auch die portugiesische Nationalmannschaft teilte ihre Bilder. Der Verband kommentierte: „Man muss nicht immer innerhalb der Linien stehen, um das schöne Spiel auf eine andere Weise zu sehen.“

Florence Pernet selbst schrieb: „Ich habe keine Akkreditierung, aber ich habe meinen Fernseher und meine eigene Sicht.“

Und die sehen gerade Millionen Menschen. Schön irgendwie.

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Von admin