Eigentlich ist es ein ziemlich normaler Vorgang: Nach dem Abstieg von Fortuna Düsseldorf verließ Sima Suso den Verein. Der zentrale Mittelfeldspieler, gerade erst 21 Jahre alt geworden, wurde in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt zum Profi, gehörte in der vergangenen Saison zu den Leistungsträgern der Fortuna und will darum jetzt sportlich den nächsten Schritt in seiner Entwicklung gehen – die Dritte Liga aber wäre ein Rückschritt. Stattdessen lockt Suso die Bundesliga, der FC Augsburg bot einen Vertrag an, die Ablöse für das Talent war überschaubar.
Deswegen kann man auch dem FC Augsburg zu diesem Transfer eigentlich nur gratulieren. Immerhin bekommen sie einen ziemlich spannenden neuen Spieler für die Fuggerstadt: In der vergangenen Saison kam Suso in 24 Partien der 2. Bundesliga zum Einsatz und erzielte dabei ein Tor. Zudem absolvierte er bislang vier Länderspiele für die deutsche U20-Nationalmannschaft. Dabei zeichnet sich vor allem durch seine enorme Vielseitigkeit aus: Er kann im defensiven Mittelfeld, auf der Acht, als linker Innenverteidiger, sowie auf der linken Seite sowohl in der Defensive als auch in der Offensive eingesetzt werden.
Doch der Wechsel hat einen Beigeschmack – und hier kommt Ex-Kapitän Florian Kastenmeier ins Spiel. Denn auch Kastenmeier hat die Fortuna verlassen, der Kapitän der Abstiegsmannschaft wechselt sogar ablösefrei, da sein Vertrag für die Dritte Liga keine Gültigkeit besaß. Wohin er geht, ist noch offen. Gerade macht sich Kastenmeier offenbar auch eher Gedanken um die Fortuna als um seinen neuen Job. Denn den Wechsel von Sima Suso nach Augsburg kommentierte er auf Instagram mit einem „krass“. Der Grund: Suso habe „trotz Krankmeldung den Medizincheck bestanden“, wie es der Torwart formulierte.
Hintergrund: Am Tag vor seinem Augusburg-Wechsel meldete sich Suso in Düsseldorf krank, verpasste so die eigentlich obligatorische Leistungsdiagnostik für die neue Saison. Zu diesem Zeitpunkt waren sich beide Vereine noch nicht über die Ablösemodalität für Susos Wechsel einig. Kastenmeier spielt also darauf an, dass Suso sich quasi weggestreikt haben könnte. Eine Tatsache, die Florian Kastenmeier offenbar ganz und gar nicht gefallen hat. Von den Düsseldorfer-Fans erhielt der Keeper jedenfalls eine Menge Zuspruch für seinen Kommentar.
Beim FC Augsburg sieht man das natürlich anders. „Sima bringt ein äußerst spannendes Spielerprofil mit. Er ist vielseitig einsetzbar und verfügt trotz seines jungen Alters bereits über viel Wettkampferfahrung. Dass er in der vergangenen Saison regelmäßig in der 2. Bundesliga zum Einsatz kam, unterstreicht sein großes Potenzial und seine Qualität. Wir freuen uns sehr, dass er sich für unseren Weg entschieden hat“, äußert sich FCA-Sportdirektor Benjamin Weber explizit gar nicht zu den Wechselbedingungen. Auffällig hingegen ist, dass Fortuna Düsseldorf den Wechsel sehr kühl kommentiert. In der offiziellen Pressemitteilung heißt es zwar branchenüblich: „Fortuna Düsseldorf bedankt sich bei Sima Suso für seinen Einsatz im rot-weißen Trikot und wünscht ihm für seine sportliche und private Zukunft beim FC Augsburg alles Gute.“ Der Satz wird aber niemanden als Zitatgeber zugeschrieben, offizielle Stimmen gibt es nicht. Auch Suso äußert sich nur zu seinem neuen, nicht aber zu seinem alten Arbeitgeber: „Ich bin sehr glücklich, künftig für den FC Augsburg auflaufen zu dürfen. Hier finde ich beste Bedingungen, um mich sportlich weiterzuentwickeln und gemeinsam mit der Mannschaft erfolgreich zu sein. Ich bin sehr gespannt auf die neue Saison und freue mich darauf, mein neues Umfeld und meine neuen Teamkollegen kennenzulernen.“ Auch der übliche Dank beider Vereine aneinander für faire Verhandlungen fehlt. Spricht in Summe alles dafür, dass Florian Kastenmeier mit seiner Beobachtung nicht ganz daneben liegen dürfte…
Dabei hatte – wie erwähnt – auch Kastenmeier die Fortuna nach dem bitteren Abstieg verlassen. Wohl aber nach offenen und fairen Gesprächen mit dem Verein, wie beide Seiten betonen. Das zeigt, dass man sich sauber trennen kann, wenn Ambition und Realität nicht mehr zusammen passen. Auch den Suso-Abgang könnte man in Düsseldorf unter anderen Vorzeichen sicher verstehen. Aber mit einer unglücklichen Trennung geht eben viel kaputt – unnötiger Weise. Aber vielleicht lernt da ja immerhin jemand draus.
