Trainer Rücktritt abgelehnt

Zum vierten Mal ist Ismail Kartal gerade Trainer bei Fenerbahçe Istanbul, sein jüngstes Engagement begann im April, nachdem Domenico Tedesco entlassen worden war. Zuvor coachte der 65-jährige Fener bereits zwischen 2014 und 2015, Januar und Juni 2022 und in der Saison 2023/24. Außerdem war er ab 1983 als Spieler auch selbst für Fenerbahçe am Ball, arbeitete ab 1997 mit kurzer Unterbrechung bis 2001 als Nachwuchskoordinator und Co-Trainer, ebenso wie von 2010 und 2014. Mit Abgängen von Fenerbahçe kennt sich Kartal, der immerhin je zwei Mal Meister und Pokalsieger mit Fener geworden ist, also aus.

Doch eine solche Situation wie gerade, hat er wohl auch noch nicht erlebt. Erst führte der Trainer seine Mannschaft durch drei Qualifikationsrunden gegen Górnik Zabrze, Sturm Graz und Olympique Lyon zurück in die Champions League. Dann verlor er zum Auftakt der Süper Lig das Derby gegen Besiktas mit 1:2. Gestern Abend dann warf während des Champions-League-Spiels gegen die AS Rom ein über den zwischenzeitlichen Rückstand gefrusteter Fener Fan seine Flasche nach Kartal, bevor sein Team noch den 1:1-Ausgleich erzielte. Nach dem Spiel aber hatte Ismail Kartal genug – noch während der Pressekonferenz erklärte er seinen Rücktritt als Fenerbahçe-Trainer: „Ich habe heute Abend mein Amt niedergelegt. Ich habe diese Entscheidung getroffen, um meinem Verein den Weg für die Zukunft freizumachen. Ich bin zurückgetreten, solange es noch ging, und habe nicht die Absicht, jemals zurückzukehren.“ Deutliche, klare Worte. Ein Abschied – eigentlich.

Denn Kartals Verein will seinen Abgang nicht hinnehmen. Der Vereinspräsident meldete sich nämlich in den Stunden nach dem Spiel auch noch zu Wort und erklärte: „Er ist unser Junge! Haben Sie jemals gehört, gesehen oder erlebt, dass ich – Aziz Yıldırım – oder meine Kollegen während meiner 20-jährigen Amtszeit als Präsident einen Trainer, mit dem wir begonnen hatten, vor Saisonende entlassen oder weggeschickt haben? Abgesehen von zwei Ausnahmen, für die es jeweils Gründe gab. Wir machen weiter! Ohne Erfahrung und Ähnliches könnten wir diesen Stress gar nicht ertragen. Solchen Stress hält man sonst kaum aus.“ Die Diskussion über den Trainer und seinen Rücktritt, meint Yildirim, sei überhaupt nur über die sozialen Medien entstanden. Einen ernsthaften Rücktritt könne es unter diesen Umständen gar nicht gegeben haben: „Ismail Kartal muss gar nicht erst sagen: ‚Ich mache weiter.‘ Ich bin der Ältere, ich habe das Sagen. Ich habe gesagt: ‚Du machst weiter‘, und damit ist die Sache erledigt. Wir sind eine Familie! Von unserer Seite aus gibt es kein Problem.“

Es folgte ein eher grundsätzliches Pamphlet: „Der Präsident forderte: „Fenerbahçe-Anhänger müssen die Werte ihres Vereins wahren – nicht nur die der Spieler, Trainer und Vorstandsmitglieder, sondern die Werte der gesamten Gemeinschaft. Die Kommentatoren im Fernsehen verurteilen alles und machen alles schlecht. Sie treiben die Menschen vom Verein weg oder drängen sie zum Rücktritt. So etwas darf nicht passieren. Das sage ich ganz deutlich. Auch ihr solltet das nicht tun.“ Bevor sein Fazit lautete: „Seien Sie sich bewusst: Solange ich im Amt bin, bleibt İsmail Kartal Trainer – oder wie auch immer man seine Position bezeichnen mag. Wenn ich gehe, kann er meinetwegen mit mir gehen, aber solange ich hier bin, wird er den Verein nicht verlassen!

Die Äußerungen des Präsidenten passen dabei gar nicht zu denen des Trainers – im Gegenteil. Ein gesichtswahrender Ausweg für beide Seiten scheint aktuell kaum vorstellbar.

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Von admin