„Da meine Zeit nun zu Ende geht, freut euch. Oasis sind wieder da. Meine Damen und Herren, vielen Dank für Ihr Vertrauen. Danke, dass ihr mich angetrieben habt. Danke, dass ihr mich liebt. Es hat so verdammt viel Spaß gemacht. Ich liebe euch alle“, mit diesen Worten inklusive einer kuriosen Pop-Reverenz schloss Pep Guardiola am Wochenende seine Abschiedsrede im Stadion von Manchester City. Nach über zehn Jahren verlässt der Katalane den Klub – ein Jahr vor Vertragsende, auf eigenen Wunsch.

Dabei geht Guardiola offenbar voller Dankbarkeit: „Was für eine tolle Zeit wir zusammen hatten! Fragt mich nicht nach den Gründen für meinen Abschied. Es gibt keinen Grund, aber tief in meinem Herzen weiß ich, dass es Zeit für mich ist. Nichts ist ewig, sonst wäre ich noch hier. Ewig bleiben die Gefühle, die Menschen, die Erinnerungen, die Liebe zu meinem Manchester City.“ Und mit geschichtsträchtigen, vielleicht etwas überdimensionierten Vergleichen: „Diese Stadt ist aus harter Arbeit entstanden. Aus Fleiß und harter Arbeit. Man sieht es an der Farbe der Ziegel. An den Menschen, die früh anfingen und lange blieben. An den Fabriken. An den Pankhursts. An den Gewerkschaften. An der Musik. Einfach an der Industriellen Revolution und wie sie die Welt veränderte. Und ich glaube, ich habe das mit der Zeit verstanden, und meine Teams auch.“

Und er bedankte sich mit einem emotionalen Statement bei den Fans der Skyblues: „Wir haben gearbeitet. Wir haben gelitten. Wir haben gekämpft. Und wir haben die Dinge auf unsere eigene Art und Weise gemacht. Auf unsere Art. Harte Arbeit kann viele Formen annehmen. Reisen nach Bournemouth, als wir die Premier League verloren, und ihr wart dabei. Reisen nach Istanbul, als ihr auch dort wart. Erinnert ihr euch an den Anschlag in der Manchester Arena? Damals zeigte diese Stadt der Welt, was wahre Stärke ausmacht. Nicht Wut. Nicht Angst. Nur Liebe. Gemeinschaft. Zusammenhalt. Eine geeinte Stadt. Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich meine Mutter während der Corona-Pandemie verloren habe und wie dieser Verein mir in dieser schweren Zeit beigestanden hat. Die Fans, die Mitarbeiter, die Menschen in Manchester – ihr habt mir Kraft gegeben, als ich sie am meisten brauchte.“

Die wiederum verehren Guardiola – auf den ersten Blick überrascht das auch nicht: 2023 führte er den Klub zu dessen erstem Sieg in der Champions League. Hinzu kommen unter anderem sechs nationale Meisterschaften und drei FA-Cup-Titel in den gemeinsamen zehn Jahren. Die 100 Punkte, die City unter Guardiola in der Premier-League-Saison 2017/18 holte, sind zudem bis heute ein Rekord. Genauso wie die in jener Spielzeit erzielten 106 Tore, 32 verbuchten Siege, die meisten Auswärtspunkte (50), die beste Tordifferenz (+79) und den größten Vorsprung (19 Punkte) zum Zweitplatzierten jeweils in der Geschichte der Premier League. Als erster Klub der englischen Geschichte gewann Guardiolas Team zudem vier Meisterschaften in Folge. 2023 wurde Pep Guardiola deswegen auch als Weltklubtrainer des Jahres ausgezeichnet.

Aber war Guardiolas Zeit bei Manchester City wirklich so außergewöhlich? Zur Wahrheit gehört auch das: Über zwei Milliarden Euro durfte der Trainer im Verlauf der zehn Jahre in neue Spieler investieren – kein Team wurde weltweit mit mehr Geld verstärkt. Die einzigen Trainer, die während einer Amtszeit die Milliarden-Marke knackten, sind Atlético Madrids Diego Simeone (89 Zugänge für 1,59 Mrd.) und Arsenals Mikel Arteta (32 Zugänge für 1,09 Mrd.). In diesem Jahr blieb City zudem titellos: In der Liga verpasste man die Meisterschaft mit einem Sieben-Punkte-Rückstand auf Arsenal London, das anders als die Citizens nächste Woche auch im Champions-League-Finale antritt.

Die Wahrheit ist: Pep Guardiola ist der aktuell wohl beste Trainer der Welt, wenn es darum geht, mit einer der besten Mannschaften auch tatsächlich erfolgreich zu sein. Nachgewiesen aber, dass er mit Mannschaften von einem niedrigeren Nievau zur Weltspitze entwickeln kann, hat er noch nicht. Beim FC Barcelona coachte er eine goldene Generation um Messi, Xavi und Iniesta, den FC Bayern übernahm er nach dem Champions-League-Triumph 2013 – ohne diesen Erfolg wiederholen zu können. Was für Guardiola spricht: Er erkennt wahnsinnig früh das Talent von Spielern und ist bereit, Jugendspieler in seine Elite-Teams zu integrieren – Phil Foden, Nico O’Reilly und Rico Lewis reiften unter ihm allein bei City zu Weltklasse-Spielern.

Wie wertvoll Pep Guardiola, der wohl mit Abstand bestbezahlte Klubtrainer der Welt, wirklich für Manchester City war, wird sich darum endgültig auch erst in den nächsten Jahren zeigen. Wie erfolgreich sein Nachfolger, vermutlich wird es der Italiener Enzo Maresca, der unter Guardiola bei City erst U21- und später Co-Trainer gewesen ist, wird, könnte am Ende auch die Frage beantworten, ob Pep Guardiola nur wahnsinnig erfolgreich oder auch extrem gut gewesen ist.

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Von admin