Für Rot-Weiß Essen hat es nicht gereicht: Trotz eines 1:0-Sieges im Hinspiel bleibt die Mannschaft von Trainer Uwe Koschinat in der dritten Liga, denn im Rückspiel setzte es eine 0:2-Niederlage gegen die Spielvereinigung Fürth.

Aber dass sich in der Relegation zur 2. Bundesliga der amtierende Zweitligist durchsetzt, hat dabei eher Seltenheitswert: In den 18 Austragungen seit 2009 konnten sich nur sechs Mal die Zweitligisten durchsetzen – 2013 Dynamo Dresden (gegen Osnabrück), 2015 1860 München (gegen Holstein Kiel), 2018 Erzgebirge Aue (gegen den KSC), 2020 der 1. FC Nürnberg (gegen Ingolstadt), 2025 Eintracht Braunschweig (gegen den 1. FC Saarbrücken) und jetzt, 2026, eben Fürth (gegen Essen).

In der Relegation zur Bundesliga sieht das komplett anders aus: Hier erwischte es bislang bloß bei der Erstaustragung 2009 Energie Cottbus (gegen den 1. FC Nürnberg), 2012 Hertha BSC (gegen Fortuna Düsseldorf) und 2019 den VfB Stuttgart (gegen Union Berlin).

Zieht man also nach fast 20 Jahren eine Bilanz über die Wiedereinführung der Relegation, stellt man fest: Die Bundesliga-Relegation ist als sportlicher Wettbewerb gescheitert, die Relegation zur 2. Bundesliga aber funktioniert. Was nun?

Eine mögliche Antwort gibt der englische Fußball: Der Meister und der Zweitplatzierte der Championship steigen direkt in die Premier League auf, dahinter aber gibt es dort anstelle von Relegationsspielen Aufstiegs-Play-offs. Und die funktionieren so: Die Fünf-, Sechst-, Siebt- und Achtplatzierten spielen in Pre-Play-Offs zwei Halbfinalisten aus. Es gibt jeweils nur ein Spiel, Heimrecht hat die Mannschaft, welche die reguläre Saison auf einen höheren Tabellenplatz abgeschlossen hat. In den Halbfinals spielen dann der Drittplatzierte gegen den Sieger des Duells des Fünft- und Achtplatzierten und der Viertplatzierte gegen den Gewinner des Spiel zwischen Sechst- und Siebtplatzierten. Die Halbfinals werden dann in Hin- und Rückspiel ausgetragen. Das Finale findet wiederum als Einzelspiel statt, dafür an einem neutralen Ort: Nämlich im legendären Wembley-Stadion.

Der entscheidende Unterschied zum deutschen Relegationsmodell: Alle teilnehmenden Mannschaften spielen um etwas, haben etwas zu gewinnen. Während man in der Relegation vor allem etwas zu verlieren hat: Als Bundesligist seine Klassenzugehörigkeit, als Zweitligist den eigentlich sicher geglaubten Aufstieg.

Aber auch darüber hinaus gibt es Vorteile: Zum einen steigen nach diesem System sicher drei Zweitligisten auf – und drei Bundesligisten ab. Durch letzteres würde der Abstiegskampf in der Bundesliga wieder spannender, weil der Druck, sich nicht abschlagen zu lassen, steigt. Und zum anderen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Mannschaft aufsteigt, welche die besten Chancen hat, auch eine Liga höher zu bestehen – immerhin hat sie sich in Play-offs gegen die besten Mannschaften der zweiten Liga durchgesetzt und nicht nur vor allem gegen Abstiegskandidaten gepunktet, was für eine höhere durchschnittliche Leistungsfähigkeit spricht. Nicht zu vergessen sind auch wirtschaftliche Überlegungen: Mehr Mannschaften aus der zweiten Liga wären an den TV-Einnahmen der Aufstiegsendspiele beteiligt, packende Aufstiegs-Play-offs wären zudem noch besser zu vermarkten als Relegationsspiele. Außerdem steigt auch die Spannung in der zweiten Liga insgesamt, weil mehr Mannschaften länger im Aufstiegsrennen wären – auch das mögen die Bieter auf Übertragungsrechte.

Doch es gibt natürlich auch Gegenargumente: Wenn in einer 18er die ersten acht Teams um den Aufstieg spielen und die letzten drei absteigen, gibt es kaum noch ein Tabellenmittelfeld. Möglich wäre darum eine Erweiterung der zweiten Liga auf 20 Mannschaften, was jedoch vier zusätzliche Spiele pro Team und Saison bedeuten würde. Als Ausgleich könnten sowohl die Pre-Play-Offs als auch die Halbfinals als Einzelspiele stattfinden, das Heimrecht würde dann jeweils bei der Mannschaft liegen, welche die Saison auf dem besseren Tabellenplatz abgeschlossen hat. Kalendarisch könnten die Pre-Play-Offs dann – wenn die vier zusätzlichen Ligaspiele durch eine um eine Woche verkürzte Winterpause und drei englische Wochen ausgeglichen würde – am Donnerstag nach dem letzten Zweitliga-Spieltag stattfinden, die Halbfinals am Dienstag nach dem DFB-Pokalfinale und das Finale an einem neutralen Ort am Sonntag nach dem Champions-League-Finale. Außerdem ist ein Play-off-System im deutschen Fußball bislang unüblich, fraglich, wie hoch die Akzeptanz des Formats wäre.

Eine zweite Liga mit 20 Mannschaften wäre dabei auch strategisch eine kluge Weichenstellung: Denn je nach dem, wie sich die Reform von Regionalligen und Dritter Liga entwickelt, erscheinen ja auch Szenarien denkbar, die wieder vier Absteiger aus Liga zwei sinnvoll machen würden. Aber das nur am Rande.

Denn klar ist vor allem: Das englische Aufstiegssystem würde auch die zweite hier Liga spürbar aufwerten und den neutralen Zuschauer*innen vor dem Fernseher mehr Spaß machen als die bisherigen Relegationsspiele. Beweis gefällig? In den Pre-Play-offs hätte diese Saison Darmstadt gegen Nürnberg gespielt und Kaiserslautern gegen Hertha. Die Sieger wären auf Paderborn und Hannover getroffen. Geht schlimmer, oder?

Für Rot-Weiß Essen hätte all das natürlich nichts geändert. Aber Trost gibt es trotzdem: Denn nachdem Holstein Kiel als Drittligist an der Zweitliga-Relegation scheiterte, stiegen sie im Jahr darauf direkt auf. Und nach einem gescheiterten Versuch in der Bundesliga-Relegation stiegen die Störche sogar dahin weiter. Es können als noch gute Zeiten warten auf die Fans an der Hafenstraße.

Unser Newsletter: 1x die Woche exklusive Inhalte kostenlos in Dein Postfach holen:

Von admin