Dr. Shaunna Burk aus England ist wieder zuhause in Leeds und freut sich am meisten darüber, in ihrem „gemütlichen, bequemen Bett“ zu schlafen. Klingt unspektakulär? Die 50-jährige hatte zuvor den Mount Everest bestiegen. Immer noch nicht beeindruckend genug? Dr. Shaunna Burk hat auch Brustkrebs im Endstadium. Es ist eine beeindruckende sportliche Leistung, im Dienste der Wissenschaft und für den guten Zweck. Und darum geht es:
Burk, die übrigens aus Addingham, einem Ort in Nordengland, nahe Leeds, stammt, erhielt 2024 die Diagnose Brustkrebs im Stadium IV. Sie unterzog sich einer beidseitigen Mastektomie, einer Leberoperation und einer Strahlentherapie. Die Wissenschaftlerin arbeitet an der Universität Leeds unter anderem daran, wie Sport und Bewegung als Teil einer Krebstherapie unterstützend eingesetzt werden können. 2005 bestieg Burk erstmals den höchsten Berg der Welt, jetzt, nach ihrer Krebsdiagnose, wiederholte sie diese außergewöhnliche Leistung, an der jedes Jahr selbst zahlreiche Topathleten scheitern – selbst ohne Krebs.
„Ich bin absolut überglücklich, ich schwebe auf Wolke sieben, und wie man sich wahrscheinlich vorstellen kann, bin ich auch körperlich ziemlich erschöpft“, sagte Burk deswegen auch völlig zurecht nach ihrer Rückkehr vom Mount Everest, „äußerst kräftezehrend und anstrengend“ sei die Mission gewesen. Die vergangenen zwölf Monate hatte Burk sich auf die Herausforderung vorbereitet. Am meisten zu schaffen gemacht haben ihr während der Besteigung die nächtlichen Temperaturen.
Überrascht habe Burk hingegen eine „gewisse Überfüllung“ der Wege auf dem Weg zum Basislager, die dadurch zu erklären ist, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Menschen versuchen, den Mount Everest zu besteigen. Jedes Jahr gibt es dabei aber auch dutzende Todesopfer. Wie also hat Burk es geschafft – nicht nur jetzt, sondern auch im Jahr 2005? Die Extremsportlerin erklärt: „Es gehört eine Menge Strategie dazu, das richtige Zeitfenster zu erwischen, um erfolgreich zu sein. Es geht um mehr als nur körperliche und mentale Vorbereitung. Man braucht auch die richtige Strategie, um das passende Wetterfenster zu nutzen und sich damit überhaupt die Chance auf Erfolg zu geben.“
Aber nochmal zurück zu Burk und den eisigen Temperaturen. Denn die Wissenschaftlerin vermutet, dass die Auswirkungen der Kälte mit den Krebsmedikamenten zusammenhängen, die sie einnimmt. „Es war eisig kalt. Wenn man im Zelt sitzt, sich nicht bewegt und das Blut nicht richtig durch den Körper zirkuliert, kann es unglaublich, unglaublich kalt werden.“ Und weiter: „Ich habe Probleme mit meiner Körpertemperatur, mit Schwankungen, Hitzewallungen und gleichzeitig einer erhöhten Kälteempfindlichkeit.“ Ihre Erfahrungen und die medizinischen Daten, die sie während der Expedition gesammelt hat, sollen nun ausgewertet werden und entsprechend ihrer Forschungsarbeit auch neue Erkenntnisse über die Auswirkungen von Sport auf die Krebstherapie ermöglichen. Konkret geht es dabei um den Einfluss von Sauerstoffmangel auf ihre Krebsmarker.
Übrigens: Die Everest-Besteigung war nicht die einzige Höchstleistung, die Burk seit ihrer Diagnose vollbracht hat. Zuvor lief sie bereits den Everest-Marathon und bestieg den Aconcagua in Argentinien sowie den Elbrus in Russland und den Kilimandscharo in Afrika. Die 50-Jährige nutzt die Expedition außerdem, um Spenden für die Organisation Macmillan Cancer Support zu sammeln.
Dr. Shaunna Burk – eine der beeindruckendsten Sportler*innen unserer Zeit!
