Ein 4:0-Testspielsieg gegen einen französischen Erstligisten. Eigentlich hätten die Mainzer allen Grund zu feiern, doch die Stimmung war nach dem Spiel gegen Paris FC am Sonntag dennoch getrübt. Denn die Supporters Mainz schreiben zu diesem Spiel in einer Stellungnahme: „Eine Diskussion, die mit dem Verein vor Jahren mit einem Testspiel gegen Newcastle begann, findet heute Nachmittag einen weiteren traurigen Höhepunkt. Der eingetragene Verein Mainz 05 testet gegen das Team von Paris FC, dass zwar nur mit einer Minderheitsbeteiligung zum RB-Konzern gehört, aber trotzdem tief verwurzelt ist in das gesamte Multi-Club-Ownership-Konstrukt dem Jürgen Klopp bis vor kurzem vorstand. Mainz 05 unterstützt mit Testspielen gegen solche Teams deren sportliche Weiterentwicklung und im Fall von Paris FC, dem Streben nach der Nummer zwei in Frankreich nach dem Qatar-Konstrukt PSG.“
Zur Einordnung: Multi-Club-Ownerships gefährden nämlich immer die Integrität des sportlichen Wettbewerbs. Nach UEFA-Regeln darf ein Investor zwar mehrere Klubs aus unterschiedlichen Ländern besitzen, es darf aber jeweils nur ein Team in jedem internationalen Wettbewerb antreten. Dabei gilt: Das Team, das seine Liga mit der besseren Platzierung abgeschlossen hat, ist dabei. Landen beide Teams auf dem selben Platz, entscheidet, welches Liga den höheren Uefa-Koeffizienten vorweisen kann. Und hier wird es problematisch: Nehmen wir zum Beispiel einmal an, dass ein Investor einen Klub in England und einen in Belgien kontrolliert. Dabei benutzt er – wie in solchen Konstrukten üblich – das belgische Team als Farmteam für die englische Mannschaft. Wenn beide Mannschaften sich nun für den selben Uefa-Wettbewerb qualifizieren könnten, aber die belgische Mannschaft einen besseren Tabellenplatz hat als die englische, könnte er anstreben, dass sein belgisches Team die letzten Spiele bewusst abschenkt, um noch hinter die Konkurrenz zurückzufallen und so dem englischen Klub die gewünschte Teilnahme am internationalen Wettbewerb zu ermöglichen. Das öffnet doch eindeutig die Tür für Spielmanipulationen und – richtig – weitere Horrorgeschichten. Auch die Mainz-Supporter prangern das in ihrer stellungnahme in deutlichen Worten an: „Jetzt könnte man sagen, RB ist mit nur 11% beteiligt, ist doch alles nicht so schlimm, aber genau diese Art der Beteiligung passt ins aktuelle RB-Konzept mit dem Beispiel Leeds in England. Damit ist man in drei der fünf Top-Ligen vertreten, läuft aber nicht Gefahr, mit einem Club auf Grund des Financial Fairplays der UEFA im Europapokal abgestuft oder ganz ausgeschlossen zu werden und trotzdem sind diese Clubs voll in die RB-Struktur integriert.“
Das Fußballvereine (Entwicklungs-)Partnerschaften eingehen, ist dabei zwar völlig legetim. Gerade europäische Spitzenteams haben Fans auf der ganzen Welt, dass sie diese mit globalen Engagement ansprechen wollen, ist verständlich. Und wenn so vom Know-how und der Finanzkraft der europäischen Klubs der Fußball weltweit profitieren kann: bitteschön. Dabei sollte aber einerseits immer gewahrt bleiben, dass Vereine sich zusammenschließen, die nicht in den selben internationalen Wettbewerben antreten können, im Idealfall, weil sie auf unterschiedlichen Kontinenten aktiv sind, und dass die geschäftliche Eigenständigkeit beider Partner erhalten bleibt, es also eben keine Multi-Club-Ownership gibt. In einem Multi-Club-Ownership aber gibt es immer Haupt- und Farmteams. Racing Straßbourg beispielsweise bildet heute nur noch junge Spieler für Chelsea London aus. Das aber lähmt die Entwicklung der kleineren Teams und vor allem ihrer Ligen. Auch das kann nicht im Interesse des Fußballs sein.
Darum, ein Farmteam aufzubauen, geht es in Paris aber weißgott nicht – eher im Gegenteil, wie auch die Mainz Supporter erklären: „Um das ganze kurz zu verdeutlichen, um welche Art von Wettbewerbsverzerrung es geht: Der Club hat nach seinem Aufstieg 2025 ein Budget von 130 Millionen Euro, im Vergleich zur zweiten Liga im Jahr zuvor eine Steigerung von mehr als dem fünffachen.“
Was also tun? Die Uefa muss ihre Regeln tatsächlich durchsetzen – immer, nicht nur dann, wenn sie die Widerspruch (finanziell) erträglich findet. Und sie muss die Regeln weiterentwickeln, so dass sie, anders als jetzt, eben keinen Einfluss mehr auf nationale Ligen haben können. Eine Möglichkeit: Solange Investoren Multi-Club-Ownerships haben dürfen, die sich international für den selben Wettbewerb qualifizieren könnten, sollten sie vor jeder Spielzeit ankündigen müssen, welche Mannschaft ihre Priorität dafür ist. Auch das sorgt nicht für 100% sportliche Integrität, weil dadurch nicht immer alle legetimen Teilnehmer bei Champions, Europa und Conference League dabei wären, siehe das Beispiel mit dem englischen und dem belgischen Team weiter oben, würde aber die Integrität der nationalen Ligen sicher stellen und auch die Integrität der internationalen Wettbewerbe ab dem ersten Anstoß.
Besser aber wäre ein generelles Verbot von Multi-Club-Ownerships. Hier sollten DFB und DFL voran gehen und internationale Investoren, die in mehr als einen Klub investiert sind, zum Anschlusskriterium für eine Lizensierung im hiesigen Ligabetrieb machen. Natürlich entweder mit Bestandsschutz oder besser Bailout-Krediten für die Vereine, die schon in einem solchen Konstrukt sind. Gelingt das könnte dieses Modell von der Uefa adaptiert werden. Und dieHorrorgeschichte der Multi-Club Ownerships käme zu einem Ende.
Wie es dazu kommen könnte? Wohl nur mit Druck. Und den machen die Mainz Supporter zum Abschluss ihres Statements: „Wir fordern Mainz 05 dazu auf, sich zukünftig bei Testspielgegnern nicht nur darauf zu fokussieren, dass es sportlich passt, sondern die Gegner auch zu den Werten von Mainz 05 passen!“
Dem Fußball wäre damit sicher geholfen.
