Er wurde als bester afrikanischer Schiedsrichter des Jahres 2025 ausgezeichnet sein und sollte der erste Schiedsrichter aus Somalia sein, der bei einer Weltmeisterschaft pfeift: Omar Artan. Doch der Traum platzte am US-Flughafen. Aufgrund der Einreisebestimmungen der Trump-Regierung durfte Artan nicht ins Land.
Die amerikanische Erzählweise des Vorfalls klingt so: Der Schiedsrichter habe „aufgrund von Bedenken im Rahmen der Sicherheitsüberprüfung“ nicht einreisen dürfen – so teilte es die Grenzschutzbehörde CBP mit. Dabei nannte die CBP keine näheren Informationen zu dem Vorgang, gab keine konkrete Begründung, Somalia steht jedoch auf einer Einreiseverbotsliste der US-Regierung. Und Präsident Donald Trump selbst hat sich in der Vergangenheit mehrfach abschätzig über Menschen aus Somalia geäußert.
Die FIFA wiederum bestätigte den Vorgang – und das überraschend emotionslos: Man sei „nicht an den Einwanderungsverfahren des Gastgeberlandes beteiligt, einschließlich der Entscheidung über Visaanträge, und wurde von den Behörden darüber informiert, dass sich der Status von Herrn Artan derzeit nicht ändern wird“, teilte der Verband nämlich mit. Und verschwieg dabei, dass er als Ausrichter der Weltmeisterschaft ja sehr wohl Druckmittel gegenüber der US-Regierung, der man ja immerhin den eigens dafür erfundenen FIFA-Friedenspreis verliehen hat, gehabt hätte. Doch die lässte die FIFA offenbar verpuffen – den vielbeschworenen Sportsgeist gibt es unter Gianni Infantino eben nur auf dem Rasen.
Ciise Aden Abshir vom somalischen Sportministerium ist auch deswegen von den Vorgängen schwer enttäuscht. Denn Artan habe noch vor seinem Abflug, er reiste über Istanbul nach Miami, ein gültiges Visium für die Vereinigten Staaten erhalten. Und in der Tat kann ihm das ja nicht zufällig ausgestellt worden sein, erst Recht nicht in Anbetracht der strikten Grenzpolitik der Trump-Administration. Fast wirkt es deswegen so, als wollten die USA hier ein Exempel gegenüber der FIFA statuieren, den Weltverband und seine Schiedsrichter einschüchtern oder aber einen Sportsmann aus Somalia demütigen. „Ihm die Einreise in die Vereinigten Staaten zu verweigern und ihn daran zu hindern, geplante Spiele zu leiten, schadet nicht nur ihm persönlich, sondern untergräbt auch das Bekenntnis des Fußballs zu Fairness, Leistung und dem Geist des Fair Play“, stellt Abshir darum auch fest.
Für Omar Artan ist jedenfalls eine Welt zusammengebrochen. „Es ist für mich eine große Ehre, als erster Somalier dabei zu sein“, hatte er sich kürzlich noch gefreut. Ihm kann man nur Wünschen, dass sein Traum in vier Jahren doch noch in Erfüllung geht. Genauso wie man nur allen Amerikaner*innen wünschen kann, dass der Trump-Wahnsinn rasch endet. Und allen Fußball-Fans, dass die FIFA irgendwann doch noch zur Besinnung kommt.
