Immer wieder geraten besondere Vereine in tiefe Krisen, stürzen ab und die Fußballwelt fragt sich: Wie konnte es dazu kommen? In Deutschland geht es vielen Traditionsvereinen so. Doch darüber wird an vielen Stellen schon ausführlich diskutiert. Hier auf FanLeben.de schauen wir deswegen ins Ausland und widmen uns in detaillierten Recherchen der bitteren Realität von Vereinen, die wir im internationalen Fußball heute vermissen. Im ersten Teil der Serie ging es um Vitesse Arnheimim zweiten Teil folgte Bursasporim dritten der FC Malaga, im vierten Wacker Innsbruck, im fünften Sheffield Wednesdayim sechsten die Western City Wanderers, im siebten die Bolten Wanderersim achten beschäftigten wir uns mit Manchester Unitedim neunten ging es um einen Verein, der nur aufgrund eines schlimmen Unfalls Teil dieser Rubrik wurde: Chapecoenseim zehnten ging es dann um Lukas Podolskis Investitionen bei Gornik Zabrzeim elften ging es darum, wie Fans den ältesten Fußballvereins Bulgariens zurückkauftenim zwölften ging es um die Rückkehr von Coventry in die Premier Leageim 13. verabschiedeten wir uns von einem der bedeutensten Vereine des Frauenfußballsim 14. um Leichester City, im 15. um zwei Klubs aus Bukarest und Belgrad und im 16. um Girondis Bordeaux. Heute schauen wir nach Italien. Los geht’s!

Die dunkelsten Stunden seiner Karriere im Profifußball verbrachte Pep Guardiola in Italien. 2001 war das, als ihm nach zwei Ligaspielen im Oktober und November Spuren von Nandrolon nachgewiesen wurden. Nach einer überaus erfolgreichen Zeit als Spieler des FC Barcelona war der Katalana zu Brescia Calcio in die Seria A gewechselt. Guardiola – der seine Unschuld beteuert hatte – würde für fünf Monate gesperrt, Brescia hielt am Ende der Saison nur mit einem Punkt Vorsprung die Klasse. Und Guardiola sorgte dabei noch für eine ziemlich bittere Premiere: 2005 wurde als erster Spieler wegen Dopings zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten und einer Geldstrafe von 9.000 Euro verurteilt. Er beteuerte wieder seine Unschuld, doch erst 2009 wurde er schließlich von allen Doping-Vorwürfen freigesprochen. Da war Pep Guardiola übrigens schon Cheftrainer des FC Barcelona.

Aber zurück nach Brescia. Die Stadt mit rund 200.000 Einwohner*innen liegt am Südrand der Alpen am Übergang zur Po-Ebene. Und ihre Geschichte reicht zurück bis in die Antike. Ganz so alt wurde ihr Fußballklub, Brescia Calcio, nicht. Vor 114 Jahren wurde er gegründet. Doch seit dieser Woche steht fest, dass die Geschichte des Traditionsklubs endet. Ein Gerichtet entschied: Der Verein wird aufgrund von wirtschaftlichen Problemen abgewickelt.

Brescia Calcio, der Klub dessen Spieler stets mit einem von Schulter zu Schulter gespannten weißen Dreieck auf den himmelblauen Trikots auflief, war eine klassische Fahrstuhlmannschaft: Zwischen 1929 und 2025 spielte der Klub, unterbrochen nur von drei Jahr in der Serie C Anfang der 1980er Jahre, durchgängig in einer der ersten beiden Spielklassen, die fünf Jahre von 2000 bis 2005 war jedoch die längste Phase am Stück in der Serie A. Vier Mal qualifizierte man sich für kleinere europäische Wettbewerbe, einmal zog man ins Halbfinale der Coppa Italia ein. Trotzdem besuchten die Spiele im Stadio Mario Rigamonti, das in eine wunderschöne Bergkulisse eingelassen ist, immer wieder bis zu 10.000 Fans. Die Fanfreundschaft zwischen den Anhänger*innen von Brescia Calcio und AC Mailand war eine der ältesten des italienischen Fußballs. Und auch nach Deutschland gab es Kontakte: Während der COVID-19-Pandemie sammelten die Ultras Nürnberg fast 16.000 Euro für ihre Fan-Freund*innen aus der pandemiegeplagten Stadt Brescia.

Und trotz der Pendelei zwischen den Ligen bekamen die Fans auch auf dem Rasen einige bekannte Namen geboten. Neben Pep Guardiola unter anderem auch Andrea Pirlo, Roberto Baggio Mario Balotelli, Gheorghe Hagi, Luca Toni und Allesandro Altobelli. Nicht schlecht.

Wie also kam es zum Ende dieses Klubs? Der Niedergang beginnt 2017 mal wieder mit dem Einstieg eines neuen Investoren. In diesem Fall: Massimo Cellino. Cellino wollte mit Brescia Calcio hoch hinaus. Als erstes modernisierte er das Klublogo, das traditionsreiche Dreieck wich einem überdimensioniertem Löwen. Doch Cellino schätzte das Potenzial des Klubs falsch ein. Seit der Übernahme wechselte Cellino außergewöhnlich häufig Trainer und weitere Verantwortliche. Diese sportliche und organisatorische Unruhe erschwerte eine langfristige Planung und verursachte zusätzliche Kosten. Gleichzeitig schlauchte den Klub das Pendeln zwischen Serie A und Serie B: Denn während die TV-, Sponsoring- und Ticketeinnahmen in der zweiten Liga stark abfallen, bleiben die Fixkosten des Klubs relativ hoch. In der Folge konnte der Verein irgendwann Steuer- und Sozialabgaben nicht mehr rechtzeitig bezahlen. Cellino kündigte zwar an, die Schulden beim Fiskus mit angeblichen Steuergutschriften begleichen zu wollen – doch die Gutschriften gab es nicht. Der Schuldenberg wuchs – auf zuletzt rund 20 Millionen Euro.

Wegen dieser Finanzverstöße erhielt Brescia 2025 einen Acht-Punkte-Abzug, die letztendlich den Abstieg aus der Serie B besiegelten. In der Folge erhielt Brescia dann aber auch keine Lizenz für die Saison 2025/26 in der Serie C. Klub-Präsident Cellino hatte die notwendigen finanziellen Verpflichtungen wieder nicht erfüllt, der Fußballverband FIGC entzog dem Klub daraufhin die Zulassung. Nach 114 Jahren verschwand Brescia damit aus dem Profifußball. Der Klub musste Insolvenz anmelden und wird daraufhin jetzt eben liquidiert.

Und jetzt? In Brescia gibt es inzwischen wieder einen Profiverein: Der neue Klub Union Brescia strebt unter anderen Eigentümern diese Saison den Aufstieg von der Serie C in die Serie B an. Besitzer dieses Klubs ist nämlich Giuseppe Pasini. Und der war bereits Eigentümer von Feralpisalò, einem Verein aus Salò am Gardasee. Nach der Insolvenz und dem Ausschluss von Brescia Calcio aus dem Profifußballverlegte er prompt den Sitz von Feralpisalò nach Brescia und benannte den Klub in Union Brescia um. Union Brescia ist dabei zwar rechtlich nicht der Nachfolgeverein von Brescia Calcio ist, sich aber bewusst als sportlicher und kultureller Erbe des Traditionsvereins präsentiert. Deshalb spielt der Klub im traditionsreichen Stadio Mario Rigamonti, trägt die traditionellen blau-weißen Vereinsfarben aus und hat sogar einige symbolische Elemente des alten Vereins übernommen.

Trotzdem: Es ist eine lange Traditionslinie, die hier zu einem Ende gekommen ist. Wie so oft im italienischen Fußball. Und es ist mal wieder eine neue Geschichte, die jetzt beginnt.

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Von admin