Vom Fußballtor auf den Königsthron: Big G sagt Nein

Es hätte ein Fußballmärchen werden können – und zwar eines, das den Namen wirklich verdient: Denn George Desmond Kamurasi (36) sollte der nächste König des Königreichs Tooro werden. Mehr als eine Million Menschen gehören zu dem ostafrikanischen Königreich in Uganda. Auch Ugandas Präsident hatte die Entscheidung des 21-köpfigen Thronfolgekomitees bestätigt.

Dazu muss man wissen: Im zentralafrikanischen Uganda gibt es mehrere traditionelle Königreiche. Politische Macht besitzen sie heute nicht mehr, dennoch spielen sie für die kulturelle Identität und das gesellschaftliche Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle.

Kamurasi, den seine Freunde nur „Big G“ nennen, wurde in England geboren und wuchs dort auf. Doch er entstammt direkt dem Königshaus von Tooro. Sein Großvater war König George Rukidi III., der einst sogar die Queen bei einem Staatsbesuch empfing.

Sein Cousin König Oyo bestieg den Thron bereits im Alter von drei Jahren. Vor wenigen Tagen starb er im Alter von nur 34 Jahren an Krebs. Darum jetzt die Suche nach dem Nachfolger – wie in Königshäusern üblich aus einem traurigen Grund.

Und eigentlich schien mit Kamurasi auch alles zu passen, denn für den designierten Nachfolger war Uganda trotz seines Lebens in England ein wichtiger Teil seiner Identität. „Ich habe eine mir enge Verbindung zu meinem kulturellen Erbe erhalten“, schrieb der Torwart vor zwei Jahren auf Instagram. Seine Liebe zu Uganda verdanke er vor allem den Menschen und seiner Familie. Seine Eltern hätten ihm Werte wie Freundlichkeit, harte Arbeit und Durchhaltevermögen vermittelt.

Sein Lebensmittelpunkt liegt allerdings weiterhin in England. Dort hat sich Kamurasi ein eigenes Leben aufgebaut und eine Familie gegründet. Seine große Leidenschaft ist der Fußball: „Big G“ steht im Tor der South East Dons, eines Amateurvereins aus der neunten englischen Liga. Auch dort übernimmt er Verantwortung: Als Kapitän führt er seine Mannschaft, motiviert seine Mitspieler und hält das Team zusammen. Auf Instagram veröffentlicht er regelmäßig Bilder von seinen Spielen.

Und dieser Verpflichtung wird er sich auch weiter stellen, das Märchen bleibt aus. Denn inzwischen ist allerdings klar, dass Kamurasi nicht König von Tooro wird. Der 36-Jährige hat die ihm angebotene Thronfolge abgelehnt. Nach Angaben eines Mitglieds des Thronfolgekomitees entschied er sich wegen anderer persönlicher und beruflicher Verpflichtungen gegen das Amt.

Damit bleibt „Big G“ zunächst Fußballtorwart in England – und der Thron von Tooro muss neu besetzt werden.

Hierfür gibt es inzwischen bereits einen neuen Kandidaten. Prinz Edward Rukidi Kijanangoma wurde vom Supreme Council des Tooro-Königreichs als Nachfolger ausgewählt. Auch er ist ein Cousin des verstorbenen König Oyo. Kijanangoma arbeitet als Nachrichtenmoderator beim Uganda Broadcasting Corporation (UBC). Bei der Beerdigung von König Oyo am 12. September nahm er bereits an einem traditionellen Nachfolgeritual teil und wurde von Vertretern des Babiito-Clans als neuer Thronfolger präsentiert. Er soll künftig als Omukama Edward Rukidi Nyabongo I. über das Königreich Tooro herrschen. Immerhin: Kianangoma berichtete als Journalist immer wieder auch über Fußballspiele.

Allerdings ist auch diese Nachfolge noch nicht endgültig geklärt. Angehörige der Familie des verstorbenen Königs haben die Entscheidung infrage gestellt. Sie berufen sich auf ein angebliches Testament aus dem Jahr 2022, in dem Oyo einen biologischen Sohn als seinen Nachfolger bestimmt haben soll.

So oder so: Auch in Uganda regiert also immer mal wieder König Fußball.

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Von admin