Seit 80 Jahren wird in Bad Neuheim Eishockey gespielt – am selben Standort: Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs entschied Colonel Paul Rutherford Knight, der erste Stadtkommandant des von den US-Amerikanern besetzten Bad Nauheims, dass in der Kurstadt ein Eishockeystadion gebaut werden sollte. Damit wollte es Colonel Knight den US-Soldat*innen ermöglichen, in ihrer Freizeit Sport zu treiben. Knight setzte sich mit seinem Vorhaben durch und schon im Oktober 1945 begannen die Bauarbeiten direkt neben dem Großen Teich.

In 100 Tagen sollte das Eisstadion fertiggestellt sein, damit schon im Winter 1945/46 Eishockey gespielt werden kann, so der ehrgeizige Plan. Um ihn zu erreichen, verpflichtete Knight auch Gefängnis-Insassen beim Bau zu helfen, außerdem wurde jede Nacht durchgearbeitet. Und so gelang es, dass Eisstadion noch vor Jahresende 1945 feierlich zu eröffnen. Funfact: Mit einer Eisfläche von 60 x 35 Metern verfügte es damals über die größte Eisfläche in Europa. Platz bot das Colonel-Knight-Stadion für bis zu 4.000 Zuschauer*innen. Knights Fazit, bevor der Stadtkommandant Bad Nauheim verließ, war darum auch ein hoch erfreutes: „Die Amerikaner werden eines Tages gehen. Aber das Eisstadion wird der Stadt Bad Nauheim erhalten bleiben.“
Und das stimmt. Noch heute spielt der EC Bad Nauheim in der von Colonel Knight errichteten Spielstätte – mit Holzdach und offenen Seiten. Im Winter ist es im Stadion bitter kalt. Im Herbst kann es zu anderen Herausforderungen kommen: Als die Roten Teufel nämlich am Sonntag die Düsseldorfer EG zu einem Testspiel empfing, es draußen bei Temperaturen von 18 Grad sehr regnerisch war, bildete sich aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit dichter Nebel auf der Eisfläche. Versuche, den Nebel mit einem Ventilatoren beiseite zu wehen, ließen die Eisfläche an einigen Stellen tauen. Das Testspiel gegen die DEG musste deswegen nach eineinhalb Dritteln abgebrochen werden. Im Ligabetrieb wäre das Match gegen Bad Nauheim gewertet worden.

Trotzdem hat sich in Bad Nauheim eine große Begeisterung fürs Eishockey verfestigt. Schon 1946 bildete sich eine Eishockey-Mannschaft innerhalb der Stadt, die 1947 gleich hessischer Meister und 1948 sogar deutscher Vize-Meister wurde. 1974 folgte noch ein zweiter Platz in der Eishockey-Bundesliga. Mit Werner Kadow, Helmut Keller, Rolf Knihs, Paul Langer, Rainer Makatsch, Dieter Niess, Peter Obresa und Rainer Philipp wurden über die Jahre hinweg immer wieder Spieler aus Bad Nauheim zur deutschen Nationalmannschaft einberufen. Rainer Philipp ist mit 90 DEB-Länderspieltoren dabei sogar bis heute drittbester Schätze der DEB-Ewigenliste und liegt mit 199 DEB-Länderspieleinsätzen auf Platz neun der Rekordspieler.

Doch Ende der 1970er Jahre geriet dieser erste Bad Nauheimer Eishockey-Verein in wirtschaftliche Schieflage. Gleichzeitig gründete sich ein neuer Klub mit dem heutigen Namen EC Bad Nauheim. Bereits 1984 stiegt er in die zweite Liga auf. 1998 und 1999 wurde der EC dort jeweils Vize-Meister und verpasste damit nur knapp den Aufstieg in die DEL. Den ersten Verein gab es da schon nicht mehr. Aber auch der EC Bad Nauheim geriet in wirtschaftliche Probleme, es folgten mehrere Insolvenzen, welche die Ausgliederung des Profi-Spielbetriebs in eine von einem lokalen Unternehmer getragene GmbH erforderlich machte. Doch Hans-Bernd Koal verlor – anders als die Menschen in der Kurstadt – schnell das Interesse an seinem Klub. 2004 musste der Spielbetrieb nach dem Rückzug des Mäzens deswegen eingestellt werden. Vorübergehend übernahm wieder ein e. V., bevor erneut eine Spielbetriebsgesellschaft gegründet wurde, die – nach einigen Umfirmierungen – heute von mehreren lokalen Geschäftsleuten finanziert wird. In dieser Zeit spielte Bad Nauheim einige Jahre drittklassig. Erst 2014 kehrte man – pünktlich zur Premiere der DEL2 – in die zweite Liga zurück. 2023 erreichte man hier erstmals wieder das Finale und wurde Vizemeister.
Das Zuschauer*inneninteresse blieb in all diesen Jahren rege. Das Colonel-Knight-Stadion ist immer wieder ausverkauft, die Stimmung gut – freundlich, aber auch engagiert. Selbst wenn es nebelig ist oder das Eis taut. Trotzdem gibt es in Bad Nauheim Pläne für eine neue Eishalle, noch aber steht die Finanzierung nicht. Trotzdem zeigt es, dass der Colonel Recht hatte, als er sagte, dass das Eishockey bei den Menschen in der Kurstadt bleiben würde.
