Wie kann Europa Infantino stoppen?

Eigentlich unterstützte Frankreichs Fußballverband die erneute Kandidatur Gianni Infantinos als FIFA-Präsident. Doch gestern wurde bekannt, dass der FFF dem umstrittenen FIFA-Chef das Vertrauen enzogen hat. Und zwar deutlich: Der Exekutivausschuss des Verbands hat auf Antrag seines Präsidenten Philippe Diallo einstimmig beschlossen, nicht mehr hinter Infantino zu stehen, teilte der FFF mit. DIe Voraussetzungen für eine weitere Amtszeit seien „nicht mehr gegeben“. Hintergrund ist der (inzwischen nicht mehr) geplante Verkauf der der Fußball-Weltmeisterschaften an externe Investoren, über den FanLeben.de hier berichtet hat. Das einstimmige Statement des prestigeträchtigen französischen Fußballverbandes ist ein starkes Signal.

Doch Infantino nicht mehr zu unterstützten, geht der FFF noch nicht weit genug. Man werde in den kommenden Tagen auch eine Reihe von Konsultationen mit französischen und internationalen Persönlichkeiten mit Fachwissen und Kompetenz in der Unternehmensführung über den sportlichen Bereich hinaus einleiten. Ziel sei es, Vorschläge für eine tiefgreifende Umgestaltung der FIFA-Führung zu formulieren, um das Vertrauen wiederherzustellen, die Transparenz zu stärken und die Unabhängigkeit sowie die Vorbildfunktion des Weltfußballverbandes zu gewährleisten, hieß es von Seite des französischen Verbands.

Die Zeit drängt. Denn die Chancen auf eine Wiederwahl Infantinos als FIFA-Präsident stehen trotz allem verdammt gut. Die Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände der FIFA hat sich keineswegs von Infantino distanziert, insbesondere in Asien genießt er weiterhin großen Rückhalt. Und seine Kritiker*innen haben noch nicht einmal einen Gegenkandidaten auftreiben können. Selbst der UEFA-Präsident, Aleksander Ceferin, selbst will nicht gegen den FIFA-Boss antreten. Der prominenteste und profilierteste Herausforderer hat sich selbst vom Feld gestellt, obwohl er durchaus Chancen haben dürfte, gewählt zu werden. Nicht nur, dass die UEFA der größte Mitgliedsverband der FIFA ist, Ceferin hat auch bewiesen, dass er wirtschaftliches Potenzial im Fußball heben kann, für kleinere Nationalverbände, die auf Entwicklungshilfe der FIFA angewiesen sind, ist das wichtig. Das Problem: Am 18. November läuft die Bewerbungsfrist ab. Revolution sieht wirklich anders aus.

Wer also käme noch als Infantino-Herausforderer in Frage? Immer wieder fällt in diesem Zusammenhang der Name des Kanadiers Victor Montagliani, dem Präsidenten der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik. Seine Kandidatur wäre zweifellos spektakulär, war Infantino ja auch wegen seiner Nähe zum autokratischen US-Präsidenten Donald Trump in die Kritik geraten. Und wann könnte Montagliani seine Kandidatur ankündigen? Am 15. September tagt das UEFA-Exekutivkomitee in Thessaloniki, am 6. Oktober treffen sich die Präsidenten und Generalsekretäre der 55 europäischen Mitgliedsverbände in Berlin. Gerade letzteren Termin könnte Montagliani als Kandidat nutzen, um weltweit auf Stimmenfang zu gehen. Am 18. März 2027 fällt beim Kongress in Rabat dann die Entscheidung.

Immerhin: Allein ist der FFF in der Strukturdebatte nicht. Auch die UEFA bereitet derweil wegen des Investorendeals ein Strafverfahren wegen des Verdachts der untreuen Geschäftsbesorgung vor. Gemeint ist, dass jemand, der mit der Verwaltung fremder Vermögenswerte oder Geschäfte betraut ist, seine Pflichten verletzt und dadurch der betroffenen Person oder Organisation einen Vermögensschaden zufügt. Eine Anklage wurde jedoch noch nicht erhoben, aber der Ton in der Debatte wird damit gesetzt. Der belgische Fußballverband will zudem eine Untersuchung des Fall Baloguns, über den FanLeben.de ebenfalls bereits berichtet hat, auf die Tagesordnung setzen. Der Druck auf Infantino bleibt also hoch.

Ob die FIFA noch vier Jahre unter Gianni Infantino überlebt? Sicher ist das nicht. Auch deswegen erhöht die UEFA jetzt den Druck. Der Weltfußball braucht in jedem Fall einen Neuanfang – einen ohne Gianni Infantino und ohne alles, wofür dieser Mann steht.

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Von admin