Vor gut einem Jahr berichtete FanLeben.de über einen Fanstreik in Kiel. Dabei ging es aber nicht um einen Stimmungs-, sondern um einen Catering-Boykott. Die Kiel-Ultras schrieben: „Die Stände hinter der Westtribüne werden deutlich weniger frequentiert, beim vergangenen Heimspiel blieben einige Bunden sogar ganz geschlossen, auch Gästefans schließen sich solidarisch unserem Vorgehen an.“
Hintergrund des Streiks waren steigende Preise. Aber nicht nur: Neben erwartbare Forderungen wie eine Absenkung des Bierpreises, hatten die Fans kreativere Vorschläge wie Spieltagsaktionen, bei denen zum Beispiel Familien, für die ein Stadionbesuch ohnehin immer eine starke finanzielle Belastung darstellt, unterstützt werden könnten. Und sie forderten, dass bei Grillprodukten nur noch auf lokale Produkte oder solche in Bio-Qualität gesetzt wird. Das würde besser schmecken und sie gleichzeitig nachhaltiger, hört man aus der Ultra-Szene.
Doch eine Forderung war „Compagno“ und „New Connection“ besonders wichtig: Überall im Stadion soll es kostenlosen Zugang zu Trinkwasser geben. Die Ultras schreiben: „Fußball ist ein verbindendes Element unserer Gesellschaft und daher rührt auch seine Verantwortung für ein sozialverträgliches Stadionerlebnis. Eine ständig steigende Preisspirale, schließt strukturell benachteiligte Gesellschaftsschichten auf Dauer aus. Ein Umstand, mit dem wir uns nicht abfinden möchten!“ Während der letzten Heimspiele hat man darum bereits einen Fan-Stand eingerichtet, an dem kostenlos Wasser verteilt wurde.
Kostenloses Trinkwasser im Fußballstadion – viel zu lange war das kein Thema. Dabei kommen bei den Spielen zehntausende Menschen für mehrere Stunden zusammen. Einige sind darauf angewiesen, währenddessen Medikamente zu nehmen. Manchmal ist es fürchterlich heiß. Und ohnehin immer gilt: Ein gesundes Getränk darf kein Luxusgut sein!
An einigen Stellen wird auf die Toiletten verwiesen, auf denen kleine mitgebrachten Flachen oder Pfandbecher aufgefüllt werden können. Aber ganz im Ernst: Das ist doch keine zufriedenstellende Antwort in einem Bundesliga-Stadion…
Das sieht man übrigens auch in an einem Bundesliga-Standort so. Zum nächsten Heimspiel des FSV Mainz 05, am 12. September gegen Eintracht Frankfurt, werden in den vier Ecken des Stadionsumlauf Trinkbrunnen installiert werden, an denen Heim- und Gästefans kostenloses Trinkwasser bekommen können. Unterstützt wird die Aktion von Gaul Catering und Hassia Mineralquellen.
Auch Werder Bremen startet mit diesem Angebot zu dieser Saison. Beim SC Freiburg und bei Eintracht Frankfurt gibt es solche Trinkwasser-Quellen im Stadion schon lange. Auch der HSV bietet seinen Fans kostenfreies Wasser. Beim FC Bayern, dem 1. FC Köln und Union Berlin existiert ebenfalls eine entsprechende Infrastruktur, die aber noch nicht regelhaft genutzt wird. Und der FC Schalke 04 hat zu dieser Saison den Wasserpreis am Getränkestand immerhin auf 2€ für den halben Liter gesenkt. Von den anderen Bundesliga-Vereinen gibt es hierzu noch keine Aussagen.
Wie der Kiel-Streik ausgegangen ist? Mit einem Mittelweg: Fans können sich selbst eine Halbliterflasche Wasser mit ins Stadion bringen oder sich am Getränkestand gegen Pfand leere Becher ausleihen, die sie dann allerdings auf den Toiletten auffüllen müssen. Trotzdem schön zu sehen, dass der Fan-Streik etwas verändert hat.
Und sich der Fußball bei dem Thema auch insgesamt bewegt.
