In der neuen Saison trägt die Oberliga-Mannschaft von Tennis Borussia das Logo der Amadeu Antonio Stiftung auf ihren Trikotärmel. Das es dazu kommt, ist keine Selbstverständlichkeit – und das, obwohl die Zusammenarbeit zwischen Tennis Borussia und der Amadeu Antonio Stiftung keineswegs neu ist. Sie reicht zurück bis ins Jahr 2021. Seinerzeit stellte der Verein der Stiftung nämlich eine prominente Werbefläche zur Verfügung, um ein Zeichen gegen rechte Gewalt zu setzen und druckte das Logo des CURA-Opferfonds für Betroffene rechter Gewalt auf die Trikotvorderseite. Dahin also, wo sich sonst Hauptsponsoren für viel Geld die prominenteste Werbefläche sichern.

Doch zum Einsatz kamen die CURA-Trikots erstmal nicht: Der Nordostdeutsche Fußballverband untersagte den Aufdruck. Die Werbung für einen Hilfsfonds für Opfer rechter Gewalt sei, so der Verband, politisch und einseitig. In einem gemeinsamen offenen Brief wandten sich Verein und Stiftung an den Verband und setzten sich dafür ein, die Spielordnung so anzupassen, dass ein Engagement für demokratische Grundwerte auch auf dem Platz möglich ist. Zahlreiche Vereine und zivilgesellschaftliche Akteure schlossen sich an. Mit Erfolg: Die Spielordnung wurde überarbeitet und Vereine können nun klar Stellung für Menschenrechte und gegen Diskriminierung beziehen.

Neben den CURA-Opferfonds engagiert sich die Amadeu Antonio Stiftung, benannt übrigens nach Amadeu Antonio, dem ersten Todesopfer rechtsradikaler Gewalt nach der Wiedervereinigung, verfolgt auch insgesamt für eine demokratische Zivilgesellschaft, die sich konsequent und überparteilich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus wendet. Das macht sie durch Kampagnen, Workshops und die Förderung von zivilgesellschaftlichen Engagement in Vereinen überall in Deutschland. Die gemeinnützige Stiftung steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Thierse.

„Als wir über die Vergabe unserer Trikot-Werbeflächen diskutierten, kamen wir rasch darauf, dass wir in unserem Jubiläumsjahr – TeBe wird 125 – auch auf unseren Jerseys die Grundhaltung des Vereins zeigen wollen. Die Amadeu Antonio Stiftung verkörpert diese beispielhaft. Sie steht für genau die Werte, für die auch wir als Verein eintreten: Demokratie, Menschenwürde und eine Erinnerungskultur, die Verantwortung übernimmt. Für uns ist das kein Sponsoring, das ist eine Haltung, für die wir aus Überzeugung werben. Wir sind stolz, dieses Logo auf dem Trikotärmel tragen zu dürfen“, erklärt der TeBe-Vorstandsvorsitzende Ariel Gala.

Und Tahera Ameer, Vorständin der Amadeu Antonio Stiftung, ergänzt: „Tennis Borussia Berlin lebt vor, was wir uns von Sportvereinen in ganz Deutschland wünschen: dass sie ihre Stimme erheben, ihre Sichtbarkeit nutzen und klar sagen, wofür sie stehen. Noch immer wird viel zu oft gefordert, dass Fußball nur Sport sein müsse und Politik dort nichts zu suchen hätte. Nach wie vor erleben Fans und Spieler aber auf und neben dem Platz Diskriminierung und Hassparolen, und das von der Kreisliga bis zur Weltmeisterschaft. Tennis Borussia macht deutlich, dass Haltung gegen Rechtsextremismus, Rassismus, Queerfeindlichkeit und Antisemitismus kein Widerspruch zum Sport ist, sondern selbstverständlich sein sollte, damit alle den Sport gleichermaßen und sicher genießen können. Wir sind dankbar für diese Partnerschaft mit einem Verein, der anderen zeigt, wie es geht.“

Die Trikotärmel wurden vom NODFV übrigens bereits genehmigt. Und auch der Kampf für eine starke Zivilgesellschaft ist bei TeBe keineswegs neu: Das Hans-Rosenthal-Team (HRT) wurde 1950 unter anderem vom fußballbegeisterten Unterhalter Hans Rosenthal als Prominenten-Elf ins Leben gerufen und diente einigen Größen aus dem Showgeschäft dazu, ihre Freizeit sportlich zu gestalten. Später schloss sich das HRT dem Verein Tennis Borussia an, bei welchem Hans Rosenthal von 1965 bis 1973 das Amt des Präsidenten ausübte. Rosenthal, dessen Bruder und weitere Angehörige in der Shoah ermordet wurden, engagierte sich dabei bewusst in einem allgemeinen Sportverein, wollte, dass jüdisches Leben überall in der deutschen Gesellschaft wieder sichtbar wurde. 1987 verstarb Rosenthal, und die Elf nahm seinen Namen an.

Dennoch ist die Geschichte von TeBe natürlich ambivalent. 1903 erwarb man, obwohl erst ein Jahr vorher eigentlich als Tennis- und Tischtennis-Verein, für 50 Pfennig eine Lizenz, um auch Liga-Fußball im Verein spielen zu dürfen. Rasch stellte man eine der besten Mannschaften in Berlin und Umgebung. 1933 waren etwa ein Drittel aller Mitglieder von Tennis Borussia Berlin Jüdinnen und Juden. Nachdem Hitler an die Macht kam wurden sie aus dem Verein gedrängt – darüber, inwiefern die nicht-jüdischen Mitglieder aus Überzeugung handelten oder einfach versuchen wollten, in der Hoffnung, dass die Nazi-Herrschaft schnell wieder enden würde, keine Aufmerksamkeit auf den Verein zu ziehen, gibt es unterschiedliche Quellen. Viele der jüdischen Mitglieder wurden jedenfalls später in Konzentrationslagern ermordet, andere wiederum überlebten im Exil und kehrten nach 1945 zum Verein zurück.

Auch deswegen ist Tennis Borussia die Zusammenarbeit mit der Amadeu Antonio Stiftung heute so wichtig. Denn zu dieser gehört nicht nur, dass Logo und Kampagnen der Stiftung auf den Trikots beworben werden, sondern auch Bildungsangebote im Rahmen von Spieltagen oder in der Jugendarbeit. Der Fußballverein auch als Ort des zivilgesellschaftlichen Engagements – vorbildlich!

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Von admin