Das Topspiel der Fußball-Bundesliga wurde am vergangenen Wochenende in Leverkusen ausgetragen, aber reibungslos über die Bühne ging es nicht. Denn direkt zu Beginn flogen aus dem Gästeblock Tennisbälle aufs Spielfeld – kein gänzlich unbekanntes Bild, mit gewohnter Konsequenz: Das Spiel musste für etwas mehr als fünf Minuten unterbrochen werden, in denen Helfer*innen die gelben Kugeln vom Platz schafften.
Während der Unterbrechung diskutierte SC-Trainer Julian Schuster engagiert mit den mitgereisten Fans. Dabei wirkte er durchaus zornig, auch wenn er nach dem Spiel versöhnlichere Worte fand: „Generell ist zu sagen, dass ich maximal offen bin für Proteste, da gerne auch zuhöre und Verständnis entwickeln kann“, so Schuster auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Und weiter: „Wofür ich kein Verständnis entwickeln kann, ist dann eben, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Das geht für mich zu weit. Das habe ich gesagt.“
Aber was war überhaupt den Anlass für die fliegenden Tennisbälle? Worum ging es den Freiburg-Fans? Die Antwort geben beide beteiligten Ultra-Gruppen in einem gemeinsamen Statement: „Im Fußballsport gibt es Dinge, auf die man sich verlassen kann: Der eigene Verein verliert garantiert gegen das Krisenteam, nach Videobeweis herrscht immer noch keine Gerechtigkeit und auf Einschränkungen der Fankultur folgen stets Antworten von uns Fans. Bei Letzterem kann die Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH auf einen respektablen Erfahrungsschatz zurückgreifen. Schlauer zu werden, scheint man trotzdem nicht.“ Die Fankultur werde in Leverkusen seit Jahren „wiederkehrend mit Füßen getreten. So auch heute – unter anderem mit dem kollektiven Verbot von Fahnen und Doppelhaltern“. In der Tat gelten die Regeln in der BayArena als besonders restriktiv. Für die Fans ist das kaum hinzunehmen. Deswegen schlossen sich auch die Leverkusener Anhänger*innen den Freiburger Protesten an, aus dem Bayer-Block kam Zustimmung zu den Tennisbällen.
Die Fankultur in den deutschen Stadien ist wesentlich für das positive internationale Image der Bundesliga. Und ganz generell sind Zuschauer*innen Voraussetzung dafür, dass professioneller Sport stattfinden kann. Dass Fans für ihre Rechte eintreten, ist darum mehr als nachvollziehbar. In Leverkusen, einem Ausnahmeklub von der 50+1-Regel, gibt es dafür weniger institutionalisierte Möglichkeiten als an den anderen Bundesliga-Standorten. Wenn diese Tatsache noch auf die restriktivsten Rahmenbedingungen der Liga trifft, dann müssen Ultras zu drastischen Maßnahmen greifen, um Gehör zu finden. Das ist passiert – nicht mehr und nicht weniger.
Julian Schuster jedenfalls kündigte an, ein Gespräch mit „unseren Fans, unseren tollen Fans“ suchen zu wollen. Und es wäre ja wünschenswert, dass Fanrechte dann auch in Leverkusen immer garantiert wären.
