Am Ende war der AFC Bournemouth zu stark: Die Engländer gewannen gestern Abend in der Europa League mit 3:0 gegen die Steiermarker. Dabei setzte sich der aktuelle Tabellenachzehnte der Premier League sich dank der Treffer von Evanilson (43.), Rayan (76.) und Alvaro (90.+2/Elfmeter) durch. Die Grazer haben damit nach zwei Spieltagen einen Punkt auf dem Konto. Marco Rose und die Cherries konnten hingegen ihre ersten beiden Europa-League-Spiele beide gewinnen.

Überklebt im eigenen Logo: Der SK Sturm verschleierte in Bournemouth seine Herkunft

Der größte Blickfang für die Gästefans dürfte dabei ohnehin das Trikot der Grazer Spieler gewesen sein. Denn notdürftig mit Kreppband abgeklebt hatte der Verein darauf den Namen seiner Stadt – Graz. Was steckte dahinter?

Ein entscheidender Sponsor für den Verein ist eigentlich die Stadt Graz selbst. Über die Holding Graz ist die Stadt beim Verein engagiert. Doch dieses Engagement soll im Zuge von städtischen Sparmaßnahmen nun deutlich zurückgefahren werden. Für den Verein nicht nachvollziehbar, wie es in einem Statement auf der eigenen Homepage heißt: „Dem SK Puntigamer Sturm Graz ist bewusst, dass öffentliche Budgets verantwortungsvoll eingesetzt werden müssen. Dennoch darf bei allen Konsolidierungsmaßnahmen die gesellschaftliche Bedeutung des Sports nicht aus den Augen verloren werden. Profisport, Nachwuchsarbeit sowie Frauen- und Behindertensport sind eng miteinander verbunden und leisten einen wesentlichen Beitrag für den Sportstandort Graz. Ohne Spitzensport gibt es keinen Breitensport. Ohne Respekt und Wertschätzung seitens der Politik fällt es schwer, die tägliche Arbeit als einer der größten Botschafter der Stadt Graz weiter fortzuführen. Gegen den Premier League-Verein AFC Bournemouth – hier Mutterland des Fußballs England – sind hunderttausende Augen auf den SK Sturm GRAZ gerichtet – wir sehen uns gezwungen, hier und heute ein Zeichen zu setzen.“

Puntigamer Sturm Graz – man erkennt: Wie in Österreich nicht unüblich setzt auch der SK Sturm auf einen Namenssponsor. Vor diesem Hintergrund fragt der Autor und Sturm-Fan Yannick Steinkellner auf den Social-Media-Profilen seinen Vereins irritiert nach: „Wieso kriegt der SK Sturm Graz seit Jahren keine gescheiten neuen Sponsoren an Land gezogen, obwohl er eine der erfolgreichsten Zeiten der Klubgeschichte hinter sich hat? Wer ist für dieses wirtschaftliche Versagen im Verein verantwortlich?“ Eine berechtigte Frage: Wieso ist ein Fußballverein so abhängig vom finanziellen Engagement der eigenen Stadt, wenn er doch sogar in seinem Namen Werbung macht? Übrigens für eine Biermarke – wie verantwortlich das ist, darüber kann ja an anderer Stelle ebenso engagiert gestritten werden?

Christian Jauk, Präsident des SK Puntigamer Sturm Graz, hält dagegen: „Wir waren und sind stets stolz darauf, Graz auf der europäischen Fußballbühne zu vertreten und unsere Stadt international sichtbar zu machen. Umso bedauerlicher ist es, wenn gerade jene Vereine, die Graz weit über die Landesgrenzen hinaus repräsentieren, mit solchen Kürzungen konfrontiert werden. Wir benötigen einen offenen Dialog und ein gemeinsames Bekenntnis dazu, dass Graz auch in Zukunft ein starker Sportstandort bleibt. Die Stadt Graz lässt den Spitzensport und somit die Zugpferde und Vorbilder für unzählige Kinder und Jugendliche in unserer Stadt fallen.“ Das er damit einen Nerv trifft, zeigen die vielen zustimmenden Kommentare unter dem Vereinsstatement. Steinkellner ist dort mit seiner Haltung klar in der Minderheit.

Der SK Sturm ist wichtig für die Stadt – auch wirtschaftlich – und hat darum ohne Frage öffentliche Unterstützung verdient. Andererseits fördert die Stadt den Verein ja weiterhin direkt und indirekt, unter anderem dadurch, dass sie sein Stadion betreibt. Und das während es mit dem Athletik-Klub Graz noch einen Profi-Fußballverein in der Stadt gibt. Was ist also verhältnismäßig? Der 1. FC Köln kämpft seit Jahren mit der Stadt um den Ausbau seines Trainingszentrums, hier dazu mehr auf FanLeben.de – ohne auch nur darüber nachzudenken, sich rhetorisch von der Stadt loszusagen. Vielleicht hätte dem SK Sturm auch ein anderer Weg besser zu Gesicht gestanden.

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Von admin