Wo werden die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036 ausgetragen? Deutschland will die Wettkämpfe nach München holen. Die bayerische Landeshauptstadt setzte sich gegen die Region Köln/Rhein-Ruhr durch und zählt damit zum Anwärterkreis auf die Spiele. Doch Deutschland ist mit seiner Olympia-Bewerbung nicht alleine. Auch Katar, Indien, Türkei, Südafrika, Ägypten und Chile wollen die Spiele. Was sich hinter den einzelnen Bewerbungen verbirgt und wie die Chancen von München stehen: FanLeben.de hat die Antworten!
Die Stärken der Münchener Bewerbung: Zum einen konnte München mit einer breiten Zustimmung aus der Bevölkerung (66 Prozent) und der Politik punkten. Ein weiterer Schwerpunkt des Konzepts lag auf der Nachhaltigkeit: Rund 90 Prozent der Wettkampfstätten befinden sich in einem Umkreis von weniger als 30 Kilometern. Zudem bildet der Olympiapark von 1972 das Herzstück der Planung. Darüber hinaus hat München bereits mehrfach seine Kompetenz bei der Ausrichtung großer Sportveranstaltungen unter Beweis gestellt. Jüngste Beispiele dafür sind die European Championships 2022, die Fußball-EM 2024 sowie der Zuschlag für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2031.
Die Konkurrenz aus Katar: Dass das IOC einer Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele in Katars Hauptstadt grundsätzlich nicht abgeneigt gegenüber steht, beweist ein Treffen, das der damalige IOC-Präsident Thomas Bach mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani, schon im Jahr 2022 führte, denn darin ging es ganz konkret um eine katarische Bewerbung für die Sommerspiele 2036. Bereits 2016 und 2020 bewarb sich Katar dafür, scheiterte jedoch an Rio de Janeiro beziehungsweise Tokio. Die Kritik an Katar ist bekannt: Schwere Menschenrechtsverletzungen und die Ausbeutung von Arbeiter*innen beim Bau von Sportstätten. Hinzu kommt die politische Instabilität in der Region im Zuge des Iran-Krieges. Auch müssten die Sommerspiele voraussichtlich – wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 – in den Winter verlegt werden. Das gab es zuletzt im Jahr 2000 in Sydney.
Die Konkurrenz aus Indien: Indien hatte zunächst Interesse an einer Austragung der Olympischen Spiele 2032 bekundet, beschloss jedoch, den Fokus einer möglichen Bewerbung auf das Jahr 2036 zu legen. In Ahmedabad im Bundesstaat Gujarat ist der Bau eines Sportkomplexes geplant, der sämtliche olympischen Sportarten aufnehmen können soll. Für den Fall einer erfolgreichen Bewerbung ist zudem vorgesehen, das Narendra Modi Stadium für die Eröffnungs- und Schlussfeier zu nutzen. Indien kann bei einer möglichen Olympia-Bewerbung für 2036 mit seiner großen Bevölkerung, der wirtschaftlichen Entwicklung und dem politischen Willen zur Ausrichtung der Spiele punkten. Auch verspricht der neue Sportkomplet Ahmedabad kurze Wege. Doch genau hier beginnen auch die Probleme. Schwächen liegen nämlich im erheblichen Investitionsbedarf, der notwendigen Infrastrukturentwicklung und möglichen Herausforderungen bei Verkehr, Unterbringung und Nachhaltigkeit. Zudem müsste Indien nachweisen, dass die geplanten Sportstätten langfristig genutzt werden und die Spiele finanziell sowie organisatorisch tragfähig sind.
Die Konkurrenz aus der Türkei: Der Istanbuler Oberbürgermeister Ekrem İmamoğlu kündigte am 14. Juli 2021 die Bewerbung der türkischen Metropole für die Olympischen Spiele an. Am 3. April 2023 trafen der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan, der Minister für Jugend und Sport, Mehmet Kasapoğlu, und IOC-Präsident Thomas Bach zusammen. Bei dem Gespräch ging es um eine mögliche Bewerbung der Türkei um die Austragung der Spiele. Beeindruckend daran war, wie Regierung und Opposition in diesem Land zusammen wirkten. Dieser Konsens aber ist mit İmamoğlus Verhaftung aufgekündigt worden, was die Bewerbung mit massiven politischen Risiken verbindet. Auch wenn die ersten Kontinent-übergreifenden Spiele, sie würden in Europa und Asien ausgetragen werden, ein Ereignis wären, ist es eher unwahrscheinlich, dass das IOC dieses Risiko eingeht.
Die Konkurrenz aus Südafrika: Seitdem Südafrika sich 2004 nicht gegen Athen durchsetzen konnte, wird in Südafrika immer wieder über eine mögliche Olympia-Bewerbung diskutiert. Konkret sollen die Spiele auch 2036 nach Kapstadt geholt werden. Eine offizielle Bewerbung liegt vor, jedoch wird in Südafrika selbst noch darüber diskutiert, wie sinnvoll das Festhalten an ihr ist. Alternativ könnte sich das afrikanische Land zunächst einmal um etwas kleineres Sportereignisse bewerben, um die Sport-Infrastruktur im Land allmählich wachsen zu lassen. Andererseits hat Südafrika mit der Fußballweltmeister 2010 bewiesen, dass es auch Großereignisse kann. Und die ersten Olympischen Spiele auf dem afrikanischen Kontinent sind ohnehin eigentlich lange überfällig.
Die Konkurrenz aus Ägypten: Das aber gilt auch für Ägypten. Und Ägypten plant, sich mit seiner seit 2015 im Bau befindlichen neuen Hauptstadt um die Austragung der Olympischen Sommerspiele zu bewerben. Sportminister Ashraf Sobhy stellte die entsprechenden Pläne gegenüber dem Fernsehsender Sky News Arabia vor. In der neuen Hauptstadt entsteht mit der International Olympic City bereits eine Sportanlage, die für die Austragung der Spiele genutzt werden könnte. Am 11. August 2024 kündigte Mustapha Berraf, Präsident der Vereinigung der Nationalen Olympischen Komitees Afrikas (ANOCA), an, dass eine Bewerbung für die Spiele 2036 oder 2040 angestrebt werde. Gegen Ägypten spricht jedoch wiederum die politische Situation vor Ort: Das Land wird von einer Militärjunta regiert, die nach wie vor Menschenrechtsverletzungen begeht.
Die Konkurrenz aus Chile: Nach den Panamerikanischen Spielen 2023 in Santiago de Chile würdigte IOC-Präsident Thomas Bach die Durchführung der Veranstaltung und brachte dabei auch eine mögliche Bewerbung der chilenischen Hauptstadt für die Olympischen Spiele ins Gespräch. Kurz nach dem Ende der Spiele bestätigte der Präsident des Organisationskomitees, Harold Mayne-Nicholls, dass bereits erste Prüfungen für eine Austragung der Spiele 2036 liefen. Im Mai 2024 erklärte Mayne-Nicholls, dass die Evaluierungen Fortschritte machten, zugleich aber noch Handlungsbedarf bestehe. Dazu zählten insbesondere die Verlängerung der Metro bis zum Flughafen Arturo Merino Benítez sowie der Bau zusätzlicher geeigneter Sportstätten. Darüber hinaus wurde erwogen, einzelne Wettbewerbe auf der Osterinsel auszutragen und die Spiele zeitlich in den Oktober zu verlegen. Im Juni 2024 kündigte der chilenische Präsident Gabriel Boric schließlich offiziell an, dass sich das Land um die Austragung der Olympischen Spiele 2036 bewerben werde. Aber das Konzept ist eben noch nicht so konkret wie beispielsweise die Münchener-Bewerbung.
Weitere mögliche Bewerber*innen: Noch läuft die Bewerbungsfrist. Und weitere Bewerbungen sind möglich. Aus Europa bahnt sich unter anderem Konkurrenz aus Budapest (Ungarn) und Italien, wo aber die konkrete Bewerberstadt noch nicht feststeht, an. Gegen Budapest spricht, dass es zuletzt wenig Zuspruch in der Bevölkerung für die Austragung gegeben hat. Italien könnte letztendlich vor dem hohen Investitionsbedarf zurückschrecken. Die dänische Politikerin Mia Nyegaard (Radikale Venstre) schlug im April 2022 eine Ausrichtung der Spiele in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen vor. Grundlage hierfür soll ein langfristiger, nachhaltiger Stadtentwicklungsplan, sowie ein niedriges Budget sein. Zuvor sollen die Jugend-Sommerspiele 2030 in die dänische Hauptstadt geholt werden. Sollte Dänemark sich bewerben, hätte unser Nachbarland gute Chancen, immerhin hat sich Dänemark noch nie um die Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele beworben. Auch mit weiteren Bewerbung aus Asien wird gerechnet. Pikant: Sowohl die Volksrepublik China als auch Taiwan zeigen Interesse. Am konkretesten aber ist eine Bewerbung Südkoreas. Hier konnte sich Jeonbuk-do nämlich in einer nationalen Vorauswahl bereits gegen Seoul durchsetzen und es wird nur noch an Details gearbeitet. Und auch Kanada soll Interesse an der Ausrichtung haben, hier gilt Toronto als aussichtsreichste Bewerberstadt. Bis Ende Oktober können weitere Bewerbungen eingereicht werden.
„Ich hatte das Glück, an fünf Olympischen Spielen auf vier Kontinenten teilzunehmen. Jede Ausgabe hatte ihren ganz eigenen Charakter“, kommentiert die IOC-Präsidentin Kirsty Coventry die anstehende Entscheidung. „Jeder Gastgeber hat durch seine Menschen, seine Kultur und die Art und Weise, wie er die Spiele ausgerichtet hat, etwas Einzigartiges beigetragen. Aber wo auch immer die Spiele stattfinden, eines darf sich niemals ändern: Die Athleten müssen im Mittelpunkt unseres Handelns stehen.“ 2028 soll der Bewerberkreis verkleinert werden, 2029 fällt dann die endgültige Entscheidung. So schlecht stehen Münchens Chancen dabei nicht.
