Das zurückliegende Transferfenster von Eintracht Frankfurt war aufwühlend – aber nicht unerfolgreich: Kurz vor Ende der Frist konnte Sportgeschäftsführer Markus Krösche mit Noah Atubolu immerhin noch das Torwart-Problem lösen und mit Lilian Brassier den dringend benötigten Innenverteidiger verpflichten. Schon vorher kamen die beiden Sechser Noel Aseko, dem perspektivisch von vielen Beobachter*innen der Sprung in die deutsche Nationalmannschaft zugetraut wird, und Raphael Onyedika, womit Krösche auch die größte Problemposition der vergangenen Saison erfolgreich neu besetzen konnte.
Gleichzeitig erwirtschaftete der Manager unter anderem dank der Abgänge von Nathaniel Brown, Aurele Amenda, Rasmus Kristensen und Michael Zetterer einen Transferüberschuss. Weitere Einnahmen können noch hinzukommen, wenn die Kaufoptionen, die bei den Leihen von John-Mateo Bahoya und Eliyas Wahi gezogen werden. Bei der Leihe von Hugo Larsson, einem unbestritten großen Talent, das zuletzt aber sichtbar stagnierte, gilt sogar eine Kaufverpflichtung.
Doch es gibt auch Kritik an Markus Krösche. Eine bezieht sich dabei auf einen Nicht-Abgang – und sie kommt nicht aus dem Sportjournalismus, sondern aus dem Tierschutz: PETA fordert die Berrentung für Adler-Maskottchen Attila!
Bei der Tirschutzorganisation nimmt man nämlich „den Start der Saison und das hohe Alter des Tieres erneut zum Anlass, die Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt öffentlich dazu aufzufordern, den Adler nicht länger bei Heimspielen im Stadion als ‚Maskottchen‘ zu missbrauchen, sondern ihn endlich in ‚Rente‘ zu schicken“, heißt es in einer Stellungnahme. „Bereits 2023 hatten wir eine entsprechende Forderung an den Verein gerichtet. Mit seinen 22 Jahren ist Atilla für einen Steinadler vergleichsweise alt und kann durchaus als ‚Adler-Op’“ bezeichnet werden. Die Unterbringung in einer tiergerechten Auffangstation wäre wohlverdient und könnte auch bei den Fans auf Zustimmung stoßen.“ Auch dafür, wie Attila trotzdem im Stadion präsent bleiben könnte, macht PETA einen Vorschlag: „Mit einer Flugdrohne in Adler-Form oder einem spektakulären Adler-Hologramm könnte die Eintracht eindrucksvoll die Fans auf tierfreundliche Weise begeistern und die Tradition wahren.“
Tradition ist dabei ein gutes Stichwort, denn schon seit 2006 wird Steinadler Attila bei Heimspielen der Eintracht Frankfurt ins Fußballstadion gebracht. Auch Fans haben sich aus Tierschutzgründen bereits beschwert, denn im Stadion ist der Greifvogel großem Stress ausgesetzt: Eine lautstarke Kulisse, Menschenmassen und häufige Transporte sind eine Zumutung für das sensible Wildtier.
In freier Wildbahn umfasst das Revier eines Steinadlers übrigens häufig eine Fläche von 50 Quadratkilometern, die sie täglich durchfliegen. Auch leben die Tiere in monogamen Partnerschaften. Attila bleiben all diese natürlichen Verhaltensweisen verwehrt. Greifvögel sind sensible und hochintelligente Wildtiere. Die Haltung in einer Falknerei bedeutet für sie entsprechend große Entbehrungen und Leid. Meist sind die Tiere stunden- oder gar tagelang angebunden, sodass sie nicht fliegen können. Und wenn sie versuchen zu fliegen, werden sie von einer kurzen Lederschnur von lediglich 1-2 Metern zurückgerissen. Ihren natürlichen Bewegungsdrang können sie also nicht ausleben.
Eintracht Frankfurt widerspricht. Attila sei an seine Einsätze im Stadion gewöhnt, sie bedeuteten für das Tier, trotz seines hohen Alters, keinen Stress. Auch die zuständigen Tierschutz-Behörden haben keine Einwände gegen den Steinadler im Eintracht-Stadion. Doch auch dieses Argument lässt PETA nicht gelten: „Auch wenn das Frankfurter Veterinäramt nicht einschreitet, sind das Vorführen eines angebundenen Adlers im Stadion und der regelmäßige Transport kein artgerechter Umgang mit einem Greifvogel. Dass die Eintracht-Verantwortlichen den Tierschutz mit Füßen treten, ist äußerst enttäuschend“, meint Sprecher Peter Höffken.
Eintracht Frankfurt ist neben dem 1. FC Köln der einzige deutsche Bundesligaverein, der noch immer ein lebendes Tier als Maskottchen einsetzt. Beim Effzeh ist Geißbock Hennes mittlerweile sogar in neunter Generation im Einsatz, außerhalb der Heimspieltage lebt er in einem Wildgehege im Kölner Zoo. Auch das wirkt inzwischen etwas aus der Zeit gefallen.
Markus Krösche, das steht fest, ist ein Abgangsspezialist. Vielleicht findet er ja auch für Adler Attila noch eine gute Lösung.
