Der FC Thun ist Schweizer Meister – das ist insofern bemerkenswert, als dass Thun im letzten Jahr überhaupt erst in die Super League aufgestiegen ist. Und eine Meisterschaft als Aufsteiger ist natürlich immer bemerkenswert.
Die Schweizer Liga ist also spannend. 12 Mannschaften und eine ganze Menge möglich. Eine ganze Menge – aber nicht alles. Denn das auch in diesem Jahr der Aufsteiger die Meisterschaft gewinnt, ist ausgeschlossen. Der Grund: Mit dem FC Vaduz ist eine Mannschaft aus Liechtenstein in die erste Schweizer Liga zurückgekehrt und sollte das Team aus dem Liechtensteiner Hauptort die Super League gewinnen, würde der Tabellenzweite offiziell als Meister geehrt – inklusive Pokal übrigens. Eine paradoxe Situation.
Reden wir darüber: Alle sieben Fußballclubs aus Liechtenstein sind im Schweizer Ligasystem integriert. Das sind eben der FC Vaduz, der FC Balzers, die USV Eschen-Mauren, der FC Triesen, der FC Schaan, der FC Ruggell und der FC Triesenberg. Hintergrund ist eine Abmachung zwischen dem Schweizer Fußballverband und der UEFA. Denn sieben Teams reichen nicht für eine eigene Liga, zumal das Leistungsnievau zwischen den Klubs auch extreme Unterschiede aufweist.
Übrigens: Auch bei der Vergabe der internationalen Plätze werden die Liechtensteiner Mannschaften aus der Schweizer Tabelle herausgerechnet. Eine Qualifikation für die Champions League, die Europa League oder wenigsten die Conference League ist für den FC Vaduz nicht über die Super League möglich. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Denn weil auch Liechtenstein einen eigenen Fußballverband hat und damit einen von der UEFA-anerkannten Landespokal ausrichten kann, kann sich Vaduz immerhin über einen Pokalsieg für den internationalen Wettbewerb qualifizieren. Der Sieger des Liechtensteiner Pokals startet nämlich in der zweiten Runde der Qualifikation für die Europa League. Und würde Vaduz die Europa League gewinnen, wäre man ja sogar für die Champions League qualifiziert – lassen wir das.
Zumindest die Europa League ist für den FC Vaduz in diesem Konstrukt weitaus realistischer als würde der Verein wie ein Schweizer Klub bewertet. Denn während Vaduz in der Liga zwischen den ersten beiden Spielklassen pendelt, läuft es im Liechtensteiner Pokal ziemlich gut: Der FC Vaduz ist nämlich Rekordsieger des heimischen Cups. Ganze 52-mal gewann man den Wettbewerb bislang. Von den letzten 30 Austragungen gewann Vaduz sogar ganze 28 Austragungen. Nur 2012 und 1997 musste man sich der USV Eschen-Mauren und dem FC Balzers geschlagen geben. Es läuft also.
Und auch in diesem Jahr dürfte sich dieser Weg in den internationalen Wettbewerb auszahlen. Denn während das Auftaktspiel der Super League 2:1 in Lugano verloren ging, spielt man in der zweiten Runde der Europa-League-Qualifikation gegen Atlètic Escaldes aus Andorra. Das Hinspiel im Rheinpark Stadion gewannen die Liechtensteiner souverän mit 4:0. Das Rückspiel findet am Donnerstagnachmittag im Kleinstaat in den Pyrenäen statt. Schauen wir mal, was wird.
Was wird.
