Streit bei Union Berlin! Und das ausgerechnet rund um Sylvia Weisheit, die seit zwei Jahrzehnten unglaublich eng mit dem Aufstieg des Vereins verbunden ist.
Hintergrund: Weisheit arbeitete lange im Bau-Unternehmen von Union-Präsident Dirk Zingler, bis der sie schließlich mit zu Union Berlin brachte. Insbesondere rund um den von den Fans getragenen Stadion-Umbau in den Jahren 2008 und 2009, als die Alte Försterei gerettet wurde, galt sie als entscheidende organisatorische Kraft im Hintergrund. Unverzichtbar – auch danach.
Jetzt wechselt Weisheit in den Aufsichtsrat des 1. FC Union Berlin. Präsident Zingler hat dort jetzt also eine enge Vertraute. Gewählt wurde der neue Aufsichtsrat, dem auch Karlheinz Nolte, Dr. Dirk Fischer, Dr. Christoph Schulte, Björn Böhning und Marvin Kretzschmar, per Blockwahl. Weisheit rückte dabei kurzfristig auf die Liste.
Das passte zahlreichen Mitgliedern der aktiven Fanszene nicht, die mangelnde Transparenz kritisierten. Ihre Konsequenz: Sie enthielten sich bei der Entlastung des alten und der Blockwahl des neuen Aufsichtsrates. Besonders bitter, dass damit ausgerechnet über der Wahl der ersten Frau im Union-Aufsichtsrt ein Schatten liegt.
Doch es wird noch schlimmer: Schon kurz nach ihrer Wahl tauchten in sozialen Netzwerken Vorwürfe auf, da sie auf Facebook der Gruppe „Wir wählen AfD“ mit über 55.000 Mitglieder angehört. Auch das sorgte schnell für wütende und entsetzte Reaktionen, es gab viel Kritik.
Bei Union Berlin versucht man das Thema klein zu halten. Eine offizielle Erklärung gibt es nicht. Stattdessen verweist man auf einen Facebook-Post der Aufsichtsrätin selbst, die schreibt: „Liebe Unionerinnen und Unioner, viele von euch haben sich mit der Frage an mich und an den 1. FC Union gewandt, was es mit meiner Mitgliedschaft in politischen Social-Media-Gruppen auf sich hat.“ Ihr sei es wichtig, dass keine falschen Schlüsse gezogen würden. Deswegen wolle sie folgendes erklären: „Meine Mitgliedschaft in diesen Gruppen dient ausschließlich der Information. Ein Rückschluss auf meine politischen Positionen oder gar Wahlverhalten ist daraus nicht abzuleiten. Ich bin in meinem politischen Denken und Handeln demokratischen und humanistischen Grundsätzen verpflichtet, genau wie mein Verein.„
Viele Fans wollen diesen Ausführung allerdings nicht glauben.
Vielleicht auch, weil es nicht der erste Fall ist, in dem handelnde Akteur*innen bei Union sich gleichzeitig für kontroverse Parteien engagieren: Der langjährige Sportchef Oliver Ruhnert wechselte erst im Zuge seiner angestrebten Bundestags-Kandidatur für das BSW zurück auf den Posten des Chefscouts und verließ den Verein schließlich ganz, um für die Wagenknecht-Partei als Generalsekretär zu arbeiten.
Auch Fußballer*innen haben das Recht, sich politisch zu engagieren. Für eine Demokratie kann das sogar gut sein, weil das für prominente Botschafter*innen für gesellschaftliches Engagement sorgt. Und politische Fußballer haben ja auch eine lange Tradition, von Paul Breitner, der sich vor einem Bild von Mao fotografieren lies, bis zu Meghan Rapinoe, die sich gegen Trump unf für Gleichberechtigung engagiert.
Aber eine Mitgliedschaft in der AfD oder auch die offene Unterstützung für diese Partei ist damit nicht gleichzusetzen. Die AfD gilt vielerorts als „gesichert rechtsextremistisch„, über ein Parteienverbot wird – auch von bedeutenden Verfassungsrechtler*innen – diskutiert. Und gerade aufgrund der gesellschaftlichen Strahlkraft, die Bundesliga-Vereine haben, ist es umso wichtiger, sich hier glaubwürdig abzugrenzen.
Im Fall Sylvia Weisheit scheint Union Berlin das in der Wahrnehmung vieler Fans bislang nicht gelungen zu sein.
