„Hey! Ich bin Liv, 26, und seit 3 Jahren schwer an Hautkrebs erkrankt“, mit diesem Worten wendete sich Liv Süchting Donnerstag bei Instagram an ihre Fans. Bei Süchting war 2023 schwarzer Hautkrebs diagnostiziert worden, so weit fortgeschritten, dass sich bereits Metastasen, unter anderem im Gehirn, gebildet hatten. Süchting schreibt weiter: „Bis dato war ich Studentin und Leistungssportlerin. Ich lief in der 1. Handball-Bundesliga auf und durfte das Trikot der Frauen Nationalmannschaft im Beachhandball tragen. Mit der Diagnose hat mein Leben eine Kehrtwende gemacht. Da sämtliche konventionelle und experimentelle Therapiemöglichkeiten in Deutschland und der EU ausgeschöpft sind, ist eine Behandlung im Ausland der nächste Schritt.“ Mit der Beachhandballnationalmannschaft wurde sie 2022 übrigens Welt-und Europameisterin.
Das Problem: Die Krankenversicherung übernimmt die Behandlungskosten für Behandlungen außerhalb Europas nicht. Das bedeutet: Die Therapiekosten von rund 250.000 Euro müsste die Handballerin selbst finanzieren. Aus eigener Kraft? Keine Chance! Um die Therapie zu finanzieren, wandte sich die 26-Jährige deshalb am Donnerstag an die Öffentlichkeit und startete eine GoFundMe-Kampagne. „Jede Unterstützung – ganz gleich in welcher Höhe – bringt mich meinem Ziel ein Stück näher und gibt mir die Chance, diese Therapie wahrnehmen zu können. Dafür danke ich von Herzen.“ Und: Bereits einen Tag nach Veröffentlichung ist der Aufruf ein riesiger Erfolg. Schon knapp 300.000 Euro wurden dort bislang gespendet, die größte Einzelspende betrug 10.000 Euro.
Die Sportwelt hält zusammen – auch wenn Athlet*innen selbst nicht mehr auf den Platz stehen können. Spendenkamapagnen für Sportler*innen in Not bringen immer wieder beachtliche Summen ein. Hier wird Solidarität gelebt – und das ist wirklich schön.
Trotzdem stellt sich die Frage, ob es gerecht ist, dass Liv Süchting selbst für ihre Krebstherapie aufkommen muss, nur weil das entsprechende Medikament in den USA und nicht in Deutschland, Frankreich oder Estland entwickelt wurde. Natürlich gibt es dafür gute Gründe. Das wichtigste: Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland sind ein Solidarsystem und können als solche nur Behandlungen übernehmen, die auch in Deutschland zugelassen sind. Andererseits ist Medizin ein Milliarden-Geschäft. Und es geht hier um das Leben einer jungen Frau. Sollten wir es uns da nicht leisten, dass jede*r Zugang zu allen verfügbaren Therapieformen erhält – egal, was es kostet und egal, welche Aufmerksamkeit man generieren kann?
So oder so: Liv Süchting kann man für ihre Behandlung nur die Daumen drücken! Und hoffen, dass ihr Fall auch Anlass ist, diese wichtige Frage noch einmal neu zu diskutieren.
