Viele Ir*innen sind sich einig: Gaelic Football ist seit dem späten 19. Jahrhundert eine magische Sportart. Und so funktioniert sie: Das Spiel vereint Elemente aus Fußball, Rugby und Handball und wird von zwei Mannschaften mit jeweils 15 Spielern auf einem rechteckigen Rasenfeld ausgetragen. Ziel ist es, den Ball entweder über die Querlatte zwischen die Torpfosten zu schießen oder zu schlagen, was einen Punkt ergibt, oder unter die Latte ins Netz zu befördern, was drei Punkte zählt. Gespielt wird mit einem runden Lederball, der sowohl mit den Händen als auch mit den Füßen bewegt werden darf. Dabei darf der Ball nur vier Schritte getragen werden, bevor er geprellt oder mit dem Fuß zu sich selbst hochgespielt werden muss.
Am 23. September 1951 (!) hatte Mayo gegen Sligo den dritten Titel in der in Irland so verehrten Sportart perfekt gemacht. Auf der Heimreise sollen die Spieler von Mayo ausgelassen gefeiert und bei der Fahrt durch das kleine Dorf Foxford einem Trauerzug nicht den nötigen Respekt erwieen, Lärm auch auf einem Friedhof gemacht haben. Die Strafe war entsprechend des Spiels – mystisch: Denn daraufhin hin, so zumindest die Legende, hat der Priester, der an der Spitze des Trauerzugs stand, Mayo verflucht. Der Klub werde demnach keine Meisterschaft gewinnen, solange noch ein Mitglied der Siegermannschaft von 1951 am Leben sei.
Was folgte kam der Verheißung mehr als nahe: Elfmal stand Mayo zwischen 1951 und 2026 im Finale. Mayo verlor stets – häufig knapp und dramatisch. Gaelic Football ist von hohem Tempo geprägt und zeichnet sich durch schnelle Ballwechsel, weite Pässe und intensive Laufarbeit aus. Körperkontakt ist erlaubt, allerdings nur in begrenztem Umfang. Zehntausende Menschen kommen zu den Finalspielen, der als Play-off-Serie ausgetragenen Meisterschaft. Immer mehr von ihnen haben sich wohl im Laufe der Jahrzehnte gefragt, ob es so etwas wie Flüche tatsächlich gibt.
2023 starb der letzte lebende Spieler der 1951er Mannschaft. Doch die Erlösung ließ trotzdem weiter auf sich warten. Bis dieses Jahr verpasste Mayo seitdem nämlich das Finale. Erst dieses Jahr schaffte man es wieder ins Endspiel. Wie es ausging? Vor 82.000 Zuschauern in Dublins Croke Park war der Bann für Mayo tatsächlich gebrochen.
Einer der ersten Gratulanten war daraufhin übrigens der ehemalige US-Präsident Joe Biden. Ob er an den Fluch geglaubt hatte, verriet der gebürtige Ire nicht, stattdessen schrieb er nur: „Mayo for Sam“ auf seinen Social-Media-Accounts – mit Sam ist der Sam Maguire Cup als Trophäe für die Meisterschaft gemeint. “Herzlichen Glückwunsch an meine Freunde in Mayo. Genießt jede Minute. Sam kommt nach Hause. Der Traum ist Wirklichkeit geworden”, schrieb Biden weiter. Auch Noel Gallagher, dessen Großmutter aus Mayo stammt, freute sich: “Es ist vollbracht.”
Lassen wir mal so stehen.
