Ein Sportler, der mit vielen Leistungssport-Klischees bricht, ist der deutsche Hammerwerfer Merlin Hummel, der bei der Leichtathletik Europameisterschaft in der vergangenen Woche die Silbermedallie gewann. Grund eins: Er meditiert gerne. „Ich war im ganzen Wettkampf im meditativen Zustand. Einfach, wenn kleine, kleine Hirngespinste aufkommen: Reset, Reset, Reset – jedes Mal. Sinn der Meditation ist, immer wieder zurückzukommen. Und im Wettkampf habe ich mich bestimmt 100-mal zurückgeholt“, sagte Hummel, der sich immer wieder von der Konkurrenz abschottete und im Schneidersitz seine Gedanken fokussierte. Technisch betrachtet ist der Hammerwurf zwar in erster Linie eine Disziplin mit hoher biomechanischer Komplexität, aber die letzten Sekunden vor dem Abwurf sind eine Art Schaltstelle zwischen Plan und Ausführung.
81,30 Meter war Hummel seinen Hammer weit – danach, dass sein Plan so gut aufgehen würde, hatte es beim Wettbewerb in der vergangenen Woche lange nicht ausgehen. Denn der Sportler erlebte bis dahin eine schwierige EM mit einer zittrigen Qualifikation und einem Endkampf mit mehreren Versuchen, die im Wurfkäfig landeten. Bis zum Silberwurf sah es so aus, als würde der 24-Jährige dieses Mal ohne Edelmetall bleiben. Die Meditation habe er vor fünf Jahren für sich entdeckt, berichtete Hummel daraufhin. Zuletzt habe er es damit „ein bisschen schleifen lassen“. Doch jetzt will er sich wieder stärker auf sie besinnen: „Das mache ich eigentlich ab jetzt immer, wenn es mir so geht. Das war ein großes Learning heute.“
Grund zwei: Hummel lebt weitesgehend vegan. 1 Kilo Obst und Gemüse, 500 Gramm Reis, 500 Gramm Tofu und Sojagranulat, bis zu 200 Gramm Haferflocken, 100 Gramm Datteln, 50 Gramm Sojaprotein und bis zu 250 Gramm Beeren ist der Spitzensportler pro Tag: „Ich bin seit zwei, zweieinhalb Jahren vegetarisch unterwegs hauptsächlich und jetzt seit Anfang dieses Jahres, soweit es möglich ist, also auf jeden Fall zu Hause 100 Prozent vegan.“ Nur „bei Wettkämpfen ist es manchmal ein bisschen schwierig. Da muss ich wieder auf vegetarisch ausweichen“, verrät Hummel.
Der Grund: „Ich habe eine Doku auf Netflix gesehen mit Football-Spielern. Da hat man das Darmmikrobiom untersucht und die generellen Entzündungswerte. Und man hat gesehen, dass bei den sich pflanzlich ernährenden Athleten die Entzündungswerte generell niedriger sind. Und es war in der Phase, wo ich gerade eine Bandscheibenvorwölbung hatte. Da geht’s ja auch darum, die Entzündungswerte möglichst niedrig zu halten. Das hat mir eigentlich ganz gut gefallen“, erklärte Hummel.
Gerade Kraftsportler sind oft mit Klischees konfrontiert. Doch die Realität ist oft längst weiter. Zeigt zumindest Silbermedalliengewinner Merlin Hummel.
