Lionel Messi macht Schluss – gestern Abend beendete der eine vielleicht beste Fußballer aller Zeiten seine Karriere in Argentiniens Fußball-Nationalmannschaft. Zugegeben zum zweiten Mal. Dafür mit dem geplanten Spektakel, jeder Menge Emotionen und seinem 126 Treffer für die Nationalmannschaft. Messi geht als einstiger Weltmeister sowie als amtierender Vizeweltmeister und konzentriert sich fortan darauf, seine Karriere bei Inter Maiami in den USA ausklingen zu lassen. Der krönende Höhepunkt des gestrigen Tages: Die Universität von Buenos Aires verlieh Messi anlässlich der ihm zugeschriebenen Bescheidenheit auch noch eine Ehrendoktorwürde.
Bescheidenheit – mit Cristiano Ronaldo bringt man dieses Wort eher nicht in Verbindung. Und aktuell scheint es als habe der andere vielleicht beste Fußballer aller Zeiten den Zeitpunkt für einen ähnlich heroischen Abgang wie sein ewiger Rivale verpasst. Ronaldo war zwar nie so talentiert wie Messi, aber dafür ungleich fleißiger, fast verbissen und damit ein lebender Beweis dafür, dass es im Fußball zwar auch, aber ganz sicher nicht nur auf Talent ankommt. Mit Portugal ist er immerhin Europameister geworden. Das EM-Finale 2016 wäre der erste gute Schlusspunkt in Cristianos Nationalmannschafts-Biografie gewesen. Einen anderen? Scheint er zu verpassen. Denn während der jüngsten Nations-League-Spiele reiste Ronaldo, nachdem er nicht in der Startelf gestanden hatte, einfach ab. Mit 41 Jahren nicht mehr unter den elf besten Spielern seines Landes zu sein: eigentlich total verständlich. Aber für für den Mega-Star dann doch irgendwie unerträglich. Dabei hätte ihm ein Elder-Statesman-Image eines Spielers, der noch dabei ist, aber nicht mehr immer auf dem Platz stehen muss, sicher viele Sympathiepunkte und vielleicht ja auch einen Ehrendoktortitel gebracht. Naja. Stattdessen hängt Cristiano Ronaldo jetzt in Saudi-Arabien fest und streitet sich öffentlich mit dem portugiesischen Verband und Nationtrainer Jorge Jesus.
Der richtige Abgang: Er ist die Königsdisziplin einer jeden Karriere. Deswegen beherrschen ihn auch nur die wenigsten. Beispiel Per Mertesacker: Für den deutschen WM-Sieg 2014 war der gebürtige Hannoveraner unbestritten noch wichtig. Gleichzeitig zeichnete sich während des Turniers schon ab, dass sein sportlicher Stellenwert perspektivisch abnehmen würde. Mertesacker trat als WM-Held aus der Nationalmannschaft zurück, spielte noch ein paar Jahre, immerhin für Arsenal London, wurde dort nach der Karriere überaus erfolgreich Nachwuchsdirektor und kehrt jetzt als Sport-Geschäftsführer zum DFB zurück. Zugegeben: So rund kann das gar nicht jede*r hinbekommen. Absolute Weltstars aber schon.
Als Fazit bleibt darum nur möglich: Beide, Lionel Messi und Christiano Ronaldo, sind selbst für die Arten ihrer Abschiede verantwortlich. Und beide haben sich für unterschiedliche Wege entschieden.
