Hüpfverbot im Ruhrstadion: Die Fans des VfL Bochum, also zumindest die Ultras in der Ostkurve, müssen auf rythmisches Auf- und Abspringen während der Heimspiele ihrer Mannschaft in Zukunft verzichten. Grund ist ein neues Gutachten, das Verein und Stadt im Zuge der Stadionsanierung in Auftrag gegeben haben. Und das zeigt, dass das Hüpfen bei „ungeübten Stadionbesuchern“ zu Unwohlsein führen könne. Grund dafür ist die Statik. Die Stadt Bochum, die Eigentümerin des Ruhrstadions ist, hat sogar eine Verfügung erlassen, die das Hüpfen offiziell verbietet. Bei Zuwiderhandlung drohe, so der VfL, eine Kapazitätsreduzierung der Stehplatztribüne oder sogar ihre Schließung.
Über das Hüpfverbot wird seit dem Bekanntwerden am Donnerstag eifrig diskutiert. Einige Fans äußern Verständnis, berichten davon, dass sie sich in der Vergangenheit tatsächlich durch die durch das Hüpfen ausgelösten Schwingungen der in die Jahre gekommenen Tribüne tatsächlich unwohl gefühlt haben. Heute dann spielt der VfL Bochum zum ersten Mal mit der neuen Auflage vor heimischer Kulisse, weswegen sich auch die Ultras jetzt öffentlich zur neuen Vorgabe positioniert haben.
Und von Verständnis – für Stadt und Mit-Fans – ist bei den 1999 gegründeteten Ultras Bochum wenig zu spüten – im Gegenteil lässt sie diese Begründung, die an „Lächerlichkeit kaum zu überbieten“ sei, „fassungslos“ zurück. Die Ultras bemängeln also vor allem die Kommunikation und rücen dabei das Bauordnungsamt der Stadt Bochum und die Bochumer Sportstätten Besitzgesellschaft ins Zentrum der Kritik. Diese hätten im Zuge der Verfügung auch eine Nachrichtensperre für den VfL verhängt, weshalb dieser die Maßnahmen erst kurz vor Inkrafttreten kommunizieren konnte.
Die Ultras bemängeln einen massiven Eingriff in die Fankultur, außerdem sei in ihrem Umfeld kein Fall bekannt, in dem sich jemand unwohl gefühlt habe. Wenn die Statik des Stadions durch das Hüpfen gefährdet sei, wäre es ein anderer Sachverhalt, schreiben sie weiter. Dies wurde aber geprüft und die Tragfähigkeit der Tribüne des in der Modernisierung befindlichen Stadions sei laut Gutachten gegeben, wie der Verein mitteilte. Um Klarheit zu schaffen, müsse die Verfügung darum „zwingend offengelegt“ und „plausibel erklärt“ werden, fordern die Ultras. Zu groß sei sonst „die Verunsicherung und der Interpretationsspielraum“. Abschließend fordern sie ein Aussetzen der Verfügung bis Transparenz hergestellt sei.
In gut einer Stunde ist Armina Bielefeld im Ruhrstadion zu Gast. Im Gästeblock darf weiter gehüpft werden. Einige Bochumer*innen werden heute also neidisch quer übers Stadion herüber blicken.
