Das gestrige Derby zwischen den Eispiraten Crimmitschau und den Lausitzer Füchsen aus Weißwasser sollte eigentlich ein besonderes Eishockeyfest werden. Stattdessen wurde die Partie durch die Choreografie aus der Heinekurve erheblich verzögert. Teile der Choreografie landeten auf der Eisfläche und im Fangnetz. Die notwendigen Aufräumarbeiten führten dazu, dass das Spiel erst mit einer Verzögerung von einer Stunde beginnen konnte.
Wie es dazu kommen konnte? Das erklären die Crimmitschau-Ultras aus der Heinekurve am besten selbst: „Die optische Aktion im Vorfeld der Partie sollte unterstreichen, wie Support in Crimmitschau aussieht: Bunt, vielseitig und auch ein bisschen chaotisch. Leider sind wir dabei – im wahrsten Sinne des Wortes – über das Ziel hinausgeschossen. Der eigentliche Plan war, dass die in der Kurve ausgeteilten Konfetti-Shooter bei der Zündung gerade gehalten werden und senkrecht nach oben feuern, so wie es bereits vor einiger Zeit bei einer ähnlichen Aktion gut funktioniert hatte.“ Das aber gelang nicht: „Leider ging in der Kommunikation mit den Fans in der Kurve einiges schief, sodass das Konfetti letztlich schräg nach vorn Richtung Eisfläche abgefeuert wurde.“
Christof Kreutzer, Trainer der Lausitzer Füchse, zeigte sich nach dem Spiel ziemlich wütend. Ihm ging es dabei vor allem um das zusätzliche Verletzungsrisiko, das durch rutschige Papierstückchen auf dem Eis entsteht: „Ich kann es nicht verstehen, dass Fans so eine Aktion hier machen. Bei aller Freude und allen Erwartungen vor so einem Derby ist das einfach nur grob fahrlässig für die Spieler beider Mannschaften gewesen. Ich weiß nicht, ob von den Fans schonmal jemand auf dem Eis gestanden hat. Die Verletzungsgefahr ist viel zu groß.“ Und auch als das Konfetti beseitigt war, konnte es nicht gleich losgehen: Beide Mannschaften mussten sich nach der Unterbrechnung noch einmal neu warm machen, um keine Muskelverletzungen zu riskieren. „Es ist einfach dumm für meine Begriffe. Ich hoffe, dass jeder daraus lernt“, meinte Kreutzer.
Etwas differenzierter kommentiert es – vielleicht ja auch von Amtswegen – Eispiraten-Coach Jussi Tuores: „Die Sicherheit der Spieler geht vor. Deshalb ist es richtig, dass man sich noch einmal etwas mehr Zeit für die Eisbereitung nimmt“, lobte er nach dem Spiel immerhin das Krisenmanagement seines Klubs. Und auch die Eispiraten selbst stellten klar: „Choreografien und die aktive Fankultur sind ein wichtiger Bestandteil unserer Heimspiele. Sie machen den Sahnpark, die Atmosphäre bei den Eispiraten und unseren gesamten Standort aus. Die Kreativität, Leidenschaft und Unterstützung unserer Fans sorgen regelmäßig für beeindruckende Bilder und tragen maßgeblich dazu bei, dass Eishockey in Crimmitschau etwas Besonderes ist. Das wissen und schätzen wir ausdrücklich.“
Gleichzeitig sei am Sonntag eine rote Linie überschritten worden: „Die Folgen des gestrigen Vorfalls sind bereits jetzt deutlich spürbar. Neben erheblichen organisatorischen Belastungen sind allein die zusätzlichen Kosten für Security und Ordnungsdienst gestiegen. Darüber hinaus wurde durch die lange Verzögerung die Vorbereitung beider Mannschaften auf das Spiel massiv gestört. Die Spieler auf beiden Seiten waren verständlicherweise sehr verärgert. Für unsere Mannschaft wie auch für die Gäste aus Weißwasser war es nach der langen Unterbrechung schwierig, den Fokus auf das sportliche Geschehen und den eigentlichen Derbyabend zu richten.“ Das räumt übrigens auch die Heinekurve selbst ein. Sie schreibt: „Wir übernehmen die volle Verantwortung für die daraus entstandene Verzögerung des Spielbeginns und möchten uns bei allen Fans, Spielern und sonstigen Verantwortlichen ausdrücklich entschuldigen. Eine Behinderung des Spielbetriebs war im Rahmen dieser Choreo niemals unser Antrieb, wir geben allerdings zu, dass wir die Folgen der Aktion massiv unterschätzt haben.“
Seitens der DEL2 wurde jedenfalls ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Mit einer entsprechenden Bestrafung ist zu rechnen, heißt es aus Crimmitschau. Das konkrete Strafmaß steht derzeit zwar noch nicht fest. Jedoch kann sich die daraus resultierende finanzielle Belastung wohl auf einen fünfstelligen Betrag belaufen. Das ist für eine Mannschaft im deutschen Zweitliga-Eishockey ziemlich viel.
Heißt das also für die Zukunft ein vorsorgliches Choreo-Verbot am Heineberg? Die Eispiraten wiegeln ab: „Wir stehen bereits im engen Austausch mit der aktiven Fanszene, die sich am heutigen Morgen ebenfalls öffentlich zu den Ereignissen geäußert hat. Unser Appell für die Zukunft ist eindeutig: Wir wollen Choreografien. Wir wollen eine lebendige Fankultur. Wir wollen die emotionale Unterstützung unserer Fans und die beeindruckende Atmosphäre im Sahnpark. All das gehört zu den Eispiraten Crimmitschau.“ Und weiter: „Wir sind überzeugt, dass sich eine starke Fankultur und ein professioneller Spielbetrieb nicht ausschließen – im Gegenteil. Sie gehören zusammen und können sich gegenseitig stärken. Dafür braucht es gegenseitige Rücksichtnahme, klare Absprachen und die gemeinsame Verantwortung aller Beteiligten.“
Die Heinekurve will jedenfalls helfen, den entstandenen Schaden auszugleichen: Man werde alles tun, um die finanzielle Belastung zu reduzieren, teilten die Ultras mit.
