Die Graz99ers ziehen, für vorerst ein Spiel, aus Graz aus. Kapfenberg sei quasi das neue Graz, erklärt der Eishckey-Klub. Hintergrund ist, dass die Stadt Graz, beziehungsweise genauer gesagt deren Stadtkonzern Holding Graz GmbH, nach 27-jähriger erfolgreicher Partnerschaft die Unterstützung der Graz99ers unmittelbar nach erstmaligem Gewinn des Meistertitels von einem Tag auf den anderen um 50 Prozent gekürzt hat. Und zuletzt ankündigte, ab 2027 das Sponsoring der Profi-Vereine GAK, Graz99ers und SK Sturm zur Gänze zu beenden. FanLeben.de hat darüber bereits berichtet.
Nach der Ankündigung, dass Standort-Alternativen geprüft würden, nun also die nächste Eskalationsstufe: „Es soll aber keine Drohgebärde sein. Keine Revanche oder Abrechnung mit irgendwem oder irgendetwas“, betont General Manager Bernd Vollmann. Vielmehr soll es ein kräftiges Signal sein und ein Wachrütteln. „Dass wir und der gesamte Sport mehr sind, als beliebtes Fotomotiv auf Rathaus-Balkonen und Hauptplatz-Bühnen“, sagt Vollmann. „Wenn der Sport ignoriert wird, werden auch unsere Jugend, unsere Gesundheit und letztlich unsere gesamte Gesellschaft ignoriert und aufs Spiel gesetzt“, meint der Verantwortliche.
Das Heim-Auswärtsspiel findet am 21. November in Kapfenberg statt, wo vor fünf Jahren eine Multifunktionsarena entstand, in der eben auch Eishockey gespielt werden kann. Gegner werden die Pioneers Voralberg sein. Vollmann führt weiter aus: „Vermutlich wird unser Spiel in Kapfenberg im Grazer Rathaus auch nicht einmal wirklich wahrgenommen werden. Aber ein Zeichen setzen, das möchten wir dennoch. Das sind wir all jenen, die sich in dieser Stadt für den Sport engagieren, schuldig. Und wir würden uns zumindest wünschen, dass die momentanen Entscheidungsträger der Stadt Graz nicht nur bis zu den nächsten Wahlen denken, sondern sich auch die Köpfe zerbrechen, wie und wo die jungen Menschen in dieser Stadt künftig Sport betreiben und sportliche Idole als ihre Vorbilder finden können.“
Immerhin: In Kapfenberg freut man sich auf das ungewöhnliche Gastspiel. Die Stadt rechnet mit einem ausverkauften Stadion. Mit 3.800 Plätzen ist die Halle nur unwesentlich kleiner als jene in Graz. „So wie das Nationalteam schon in Kapfenberg gespielt hat oder verschiedene Spitzenklubs aus Deutschland immer wieder ein Trainingslager bei uns machen. Von dem her, Kapfenberg hat eine sehr hohe Affinität zum Eishockey und es freuen sich sehr viele Leute, dass sie bei uns spielen“, sagt Bürgermeister Matthäus Bachernegg. Aber mehr als das eine Spiel ist zurzeit nicht geplant, auch weil in Kapfenberg selbst die Halle sehr gut gebucht ist: „Aktuell haben wir eine Auslastung von 92 Prozent in der Stadthalle. Wir haben selbst eine super Kampfmannschaft mit den Kängurus, die auch sehr, sehr beliebt sind in Kapfenberg.“ Wie viele Graz-Fans mitreisen werden? Unklar. Aber Kapfernberger erkundigen sich bereits einige nach den Tickets.
Der Streit betrifft übrigens nicht nur den Eishockey-Klub aus Graz, sondern auch die beiden Erstliga-Fußballvereine SK Sturm Graz sowie den Grazer Athletik Klub. Auch der SK Sturm wirbt dabei – wie die 99ers – für einen Sponsoren im Vereinsnamen: Puntigamer. Autor und Sturm-Fan Yannick Steinkellner sieht den Protest auch deswegen kritisch. Auf den Social-Media-Profilen seinen Vereins fragt er irritiert nach: „Wieso kriegt der SK Sturm Graz seit Jahren keine gescheiten neuen Sponsoren an Land gezogen, obwohl er eine der erfolgreichsten Zeiten der Klubgeschichte hinter sich hat? Wer ist für dieses wirtschaftliche Versagen im Verein verantwortlich?“ Eine berechtigte Frage: Wieso ist ein Fußballverein so abhängig vom finanziellen Engagement der eigenen Stadt, wenn er doch sogar in seinem Namen Werbung macht? Übrigens für eine Biermarke – wie verantwortlich das ist, darüber kann ja an anderer Stelle ebenso engagiert gestritten werden.
Erst einmal geht der Graz-Streit aber weiter. Und wir bleiben dran.
