10.000 Schachfans feuern einen Neunjährigen an

Für Hugo Keleti ist Schach ein ziemlich existenzieller Lebensinhalt. „Sieben Tage“, sagt der Leipziger auf die Frage, wie oft er in der Woche spielt. „Also ich mache halt Taktikaufgaben, spiele und gucke mir eine Eröffnung an“, erzählt Hugo. Das zahle sich aus: „Mein Zeitmanagement ist besser geworden. Mein taktisches Denken. Und mein strategisches Denken.“ Der ehemalige Europameister und Großmeister Valentin Dragnev trainiert ihn. Online, weil Dragnev in Österreich wohnt. War sonst noch was? Ach ja: Hugo ist erst neun!

Und jetzt geht es für den neunjährigen, der zu den fünf besten deutschen Nachwuchsschachspielern gehört, zur Jugend-Europameisterschaft nach Kreta. Auf Kreta treffen in Hugos Altersklasse rund 150 der besten Nachwuchsspieler Europas aufeinander. Dragnev wird den jungen Sachsen auch vor Ort begleiten und ihm nach den Partien mit Rat zur Seite stehen. Aufgeregt ist Hugo aber dennoch. Immerhin: „Aber man kann sich auch immer denken, die anderen Spieler werden auch nicht weniger aufgeregt sein“, sagt er.

Aber auch damit ist die Geschichte noch nicht auserzählt. Denn eine besondere Rolle spielt auch Social Media. Auf einem von seinem Vater eingerichteten TikTok-Kanal verfolgen tausende Menschen den Weg des Nachwuchstalents zur Europameisterschaft. „Es ist schon beruhigend, dass man weiß, dass über 10.000 Leute hinter dir stehen und dir Glück wünschen“, sagt Hugo. Der Hintergrund von Hugos Social-Media-Präsenz ist aber ein ernster: Denn über den Social-Media-Auftritt hoffen Hugos Eltern auch, Sponsoren zu erreichen. Dtaatliche Förderung gibt es nämlich kaum, da Schach keine olympische Sportart ist. „Das ist für Sportförderung ganz, ganz kritisch und das bedeutet, wir haben das komplett selbst finanziert“, sagt Hugos Vater. „Insgesamt geben wir ungefähr 20.000 Euro im Jahr nur für Schach aus.“ Eine immense Summe.

Hugo Keleti kann sich nur wegen des Engagements (und der finanziellen Möglichkeiten) seiner Eltern mit Europas Besten messen. Das schmälert seine Leistung in keister Weise! Aber es weist eben auch auf ein Gerechtigkeitsproblem hin. Gut, dass das benannt ist. Hoffen wir, dass Hugo so viele Menschen begeistert, dass Kinder nach ihm es einfacher haben werden.

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Von admin