Hoffenheim ist Schlusslicht in der Blitztabelle! In welcher Rangliste der Hopp-Klub keinen Anschluss findet

Eigentlich läuft es für die TSG 1899 Hoffenheim ganz gut: Gut, der Saisonstart lief mit fünf Niederlagen aus den ersten neun Spielen sicher auch sportlich nicht ganz wie erhofft, aber nach der Europapokal-Qualifikation im letzten Jahr und der inzwischen wieder eingekehrten Ruhe im Umfeld wähnt sich der Klub um SAP-Gründer Dietmar Hopp eigentlich auf Kurs. Wäre da nicht diese Bundesliga-Tabelle, in der die Turn- und Sportgemeinschaft nicht nur abgeschlagen auf dem letzten Bundesliga-Platz liegt, sondern ligaübergreifend selbst von Viert- und Fünftligisten überholt wurde.

Die Rede ist von der Rangliste der Auswärtsfahrer*innen. Und schaut man sich diese an, berechnet wird die durchschnittliche Zahl der Auswärtsfahrer*innen pro Spieltag, wird es für die Sinsheimer richtig bitter. Denn nur 529 Fans begleiten den Bundesligisten im Schnitt durch die Republik. Zum Vergleich: 6.960 Fans sind es beim HSV, 6.840 Fans beim VfB Stuttgart und 6.500 Fans bei Borussia Dortmund. Auch Eintracht Frankfurt (5.750), der SV Werder Bremen (5.625) und der 1. FC Köln (5.175) kommen im Schnitt auf zehn Mal so viele Auswärtsfahrer*innen wie die TSG Hoffenheim, die ja immerhin auch schon seit 18 Jahren in der Bundesliga spielt. Und noch weitere Vereine, voraussichtlich Schalke, der FC Bayern und Bundesliga-Schlusslicht Borussia Mönchengladbach, werden diese Schwelle knacken, wenn sie ihre Auswärtsspiele in den besonders großen Stadien, also zum Beispiel beim BVB, hinter sich gebracht haben. Spitzenreiter in der zweiten Liga ist übrigens der 1. FC Kaiserslautern mit 4.420 durchschnittlichen Auswärts-Fans, in Liga drei führt der MSV Duisburg mit 3.550 Fans die Rangliste an.

Doch für die TSG Hoffenheim wird die Statistik noch bitterer. Denn alle 18 Zweitligisten (zugegeben: Fürth liegt nur 62 Fans vor Hoffenheim, spielt aber ja oft auch in kleineren Stadien) und immerhin 11 von 20 Drittligisten liegen vor ihr. Und mit dem TSV 1860 München (3.313 durchschnittliche Auswärtsfahrer*innen!), Erzgebirge Aue (1.361), Kickers Offenbach (1.307), Rot-Weiß Erfurt (1.109), dem SSV Ulm (984), der FC Carl Zeiss Jena (940), der BSG Chemie Leipzig (899), Lok Leipzig (740), dem Halleschen FC (679), dem Chemnitzer FC (661) und dem FSV Zwickau (641) bringen sogar 11 Regionalligisten mehr Auswärtsfans mit als die Europapokal-Teilnehmerin. Und nochmal: Die Vereine aus den kleineren Spielklassen spielen Woche für Woche in Stadien mit geringerer Kapazität als die TSG Hoffenheim.

Am zweit- und drittwenigsten nachgefragt sind in der Bundesliga übrigens die Auswärtstickets der SV Elversberg (1.588) und des FC Augsburg (1.250). Beide haben aber immerhin mehr als doppelt so viele Auswärtsfans wie die TSG Hoffenheim. Und auch die nur 1.090 Auswärtsfahrer*innen des 1. FC Heidenheim in der zweiten Liga zeigen, dass man Fankultur und Vereinsliebe eben nicht kaufen kann – auch nicht allein mit sportlichem Erfolg.

Die lebendige Fankultur, also unter anderem die Stimmung in den Stadien, ist gerade international das Vermarktungsplus der Bundesliga. Fans aus aller Welt schauen die Bundesliga vor allem auch wegen beeindruckender Choreographien, prall gefüllter Ränge und der lautstarken Unterstützung, die den Mannschaften von eben diesen zugutekommen. Das Paradoxe: Für die fanstarken Vereine zahlt sich die Identifikation, die sie auslösen, bei der Verteilung der Fernsehgelder bislang dennoch noch kaum aus. 50 % der TV-Einnahmen der Bundesliga werden als fixer Grundbetrag unter allen Mannschaften verteilt, weitere 43 % werden anhand der sportlichen Platzierung in den vergangenen Spielzeiten vergeben. 4 % gibt es zusätzlich für die Mannschaften, die besonders viele junge deutsche Spieler einsetzen. Und nur die letzten 3 % werden nach Fan- und Medieninteresse, also vor allem nach TV-Quoten, verteilt. Ein ehrliches Vergabesystem würde das Fan- und Medieninteresse stärker berücksichtigen, darauf ließe sich sogar ein neues Solidarsystem begründen. Und eine entsprechende Reform, das zeigt die Auswärtsfahrer*innentabelle, wäre gerechtfertigt.

Für die TSG Hoffenheim wäre das keine gute Nachricht. Aber hey: Viele Fans, die sich darüber aufregen würden, gibt es ja scheinbar nicht.

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Von admin