Schummelte Infantino bei der WM? Was New York Times und Le Monde berichten

Die Skandale rund um die Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr reißen nicht ab. Und im Mittelpunkt der Vorwürfe: Immer wieder Gianni Infantino.

Nachdem während der Weltmeisterschaft bereits die Regeln bezüglich einer Sperre nach roter Karte außer Kraft gesetzt worden war, der US-Amerikaner Floarin Balogun durfte trotz Platzverweis im Sechzehntelfinale im Achtelfinale gegen Belgien auflaufen, deutet nun einiges darauf hin, dass die FIFA auch den Einsatz eines eigentlich nicht spielberechtigten Spielers duldete. Besonders krass: Die Vorwürfe beginnen im Jahren eines Play-off-Spiels. Vielleicht hätte also eine Mannschaft gar nicht für das Turnier zugelassen werden dürfen.

Und darum geht es konkret: Am Dienstag hatten New York Times und Le Monde unter Berufung auf interne FIFA-Dokumente und Korrespondenzen berichtet, dass Lionel Mpasi, der Torhüter der DR Kongo, vor der Weltmeisterschaft im Sommer nicht spielberechtigt gewesen sei. Dabei geht es um U-Länderspiele, die Mpasi in der Vergangenheit für Frankreich absolviert hatte und die Frage, wie rechtmäßig sein Verbandswechsel gewesen ist. Ein Verbandswechsel muss schriftlich beantragt werden, die Genehmigung wird anschließend unter Einhaltung bestimmter Voraussetzungen erteilt.

Aufgekommen war der Vorwurf übrigens seitens der nigerianischen Nationalmannschaft. Die hatte das afrikanische Play-off-Finale zur WM-Qualifikation im Elfmeterschießen gegen die DR Kongo verloren und damit die Teilnahme an der Mega-WM verpasst. Mpasi sei auch bei den anschließenden interkontinentalen Play-offs, bei denen sich die DR Kongo gegen Jamaika durchsetzen konnten, entsprechend nicht spielberechtigt gewesen, so der Vorwurf. Denn Mpasi hatte sich zwar bereits 2021 – viele Jahre nach seiner Zeit in den U-Nationalmannschaften – für den Verbandswechsel entschieden. Doch der Berichterstattung zufolge habe die FIFA im Zuge der nigerianischen Beschwerde festgestellt, dass die DR Kongo die erforderlichen Unterlagen für die Beantragung nie fertiggestellt hatte. Demzufolge wäre er in den Quali-Spielen zur WM in der Tat nicht spielberechtigt gewesen.

Die FIFA widerspricht hingegen, dass die Beschwerde infolge einer Prüfung durch die FIFA-Disziplinarkommission als unzulässig zurückgewiesen worden sei: „Die FIFA kann bestätigen, dass es bei den Spielen der DR Kongo gegen Jamaika und bei der anschließenden FIFA-Weltmeisterschaft 2026 keine Probleme hinsichtlich der Spielberechtigung gab“, heißt es dazu vom Weltverband. Der Weltverband habe dem Spieler und der Mannschaft nach der erfolgreichen WM-Qualifikation daraufhin stillschweigend erlaubt, den Torhüter weiterhin einzusetzen. Mpasi gehörte dann auch zu den besten Spielern seiner Mannschaft, zu den besten Torhütern des Tuniers.

In aller Deutlichkeit: Hier stehen zwei Aussagen gegeneinander. Und rein sportrechtlich ist das FIFA-Urteil bindend. Trotzdem bleiben – mal wieder – erhebliche Zweifel an der Integrität der FIFA beziehungsweise ihrer Wettbewerbe. Infantinos mögliches Motiv, um dem Verbandswechsel trotz fehlendem Antrag zuzustimmen: Die Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr, die DR Kongo hat dort eine Stimme, der afrikanische Verband gilt als relativ loyal zum FIFA-Präsidenten. Anders sieht es beim nordamerikanischen und karibischen Fußballverband aus.

Aber unabhängig davon, was nun stimmt: Für den Fußball wird aus dem Verlust von Glaubwürdigkeit irgendwann ein echtes Existenzrisiko.

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Von admin