Sie reisen durch Europa – beziehungsweise: durchs Rheinland

Nach zwölf Jahren kehren die Kölner Haie in die Champions League Hockey zurück. Der KEC startet mit dem Motto „Mission Europa“ in den Wettbewerb, in dem der Klub auf Red Bull Salzburg, Tappara Tampere, Frölunda Göteburg, KAC Klagenfurt, Herning Blue Fox und Genéve-Servette treffen wird.

Göteburg ist dabei nicht nur amtierender Titelträger, sondern mit insgesamt fünf Siegen auch Rekordchampion des Wettbewerbs. Der neue KEC-Trainer Thomas Berglund freut sich auf dieses Aufeinandertreffen deswegen auch ganz besonders: „Es wird ein schweres Spiel, aber natürlich macht es Spaß, gegen eine schwedische Mannschaft anzutreten. Wir hoffen auf eine volle Lanxess-Arena und ein gutes Spiel. Ich kenne Frölunda und die Mannschaften der schwedischen Liga natürlich sehr gut. Schwedische Teams arbeiten hart und sind immer unangenehme Gegner. Deshalb wird das eine spannende Herausforderung.“

Aber auch darüber hinaus steigt die Vorfreude bei Berglund von Tag zu Tag: „Das ist großartig. Der Sport insgesamt hat in Köln aus meiner Sicht von außen einen hohen Stellenwert und besonders das Eishockey besitzt eine starke Stellung. Das Interesse am Klub ist enorm. Genau solche Rahmenbedingungen machen die Aufgabe in Köln besonders reizvoll und sind ein wichtiger Grund dafür, warum wir uns für die Haie entschieden haben.“

Doch in der Kölner Fanszene wird die Vorfreude von einer Entscheidung ihres Klubs getrübt: Weil die Kölnarena am 12. September nicht zur Verfügung steht, müssen die Haie für das eigentliche Heimspiel gegen Klagenfurt nämlich nach Krefeld ausweichen. Für die organisierte Fanszene ist das ein schwerer Schlag. Infernodellanord schreibt zum Beispiel auf ihren Social-Media-Kanälen: „Aus unserer Sicht ist es nach zwölf Jahren Abstinenz vom internationalen Wettbewerb unverhandelbar, Heimspiele der Kölner Haie am Eishockeystandort Köln stattfinden zu lassen. Nach schwierigen Jahren haben wir es uns verdient, große internationale Gegner in der heimischen Kölnarena willkommen zu heißen.“ Und weiter: „Bereits in den vergangenen beiden Jahren blieb unserem Club aufgrund der Belegung der Arena jede Chance auf das Heimrecht in den Playoffs verwehrt.“ Man fordere die Hallenbetreiber und die Kölner Haie deswegen dazu auf, „zukünftige Terminplanungen und -entscheidungen mit dem gebotenen Weitblick vorzunehmen.“

Doch damit nicht genug. Ihre Konsequenz: „Deshalb haben wir uns in Absprache mit weiteren Fanclubs der aktiven Fanszene dazu entschieden, das Spiel am Ausweichstandort Krefeld nicht organisiert zu besuchen.“ Die Entscheidung sei Infernodellanord „nicht leicht gefallen“. Zugleich, schreibt die Fanvereinigung abschließend, rufe man die dennoch mitreienden Fans dazu auf, „den Spielort als Heimstätte der Krefeld Pinguine entsprechend zu respektieren.“

Die Kölner Haie, deren Spielbetriebsgesellschaft übrigens NIUS-Betreiber Frank Gotthardt gehört, tragen ihre Heimspiele in der Kölner LanxessArena aus. Diese wiederum gehört der Junson Capital Company des chinesischen Unternehmers Cai Kui und seiner Familie. Am 11. September tritt Daniel Cesar in der Halle auf, am 13. Katseye. Der Eventkalender zeigt, dass ein Umbau von Konzert- und Eisfläche bzw. von Eis- auf Konzertfläche zwar von einem Tag auf den anderen möglich ist, aber in diesem Fall wäre es wohl nicht wirtschaftlich. Generell steht die Nutzung der LanxessArena wegen der immens hohen Mieten, die der Klub zu zahlen hat, bei einigen Haie-Fans in der Kritik.

Eishockey ist – ohne 50+1-Regel – in Deutschland noch einmal wesentlich kapitalgetriebener als Fußball. Heimspiele werden so zu Auswärtsspielen. Und Leute wie Frank Gotthardt zu Klubeigentümern. Schön ist das nicht – das Spiel selbst aber eigentlich schon.

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Von admin