Greuther Fürth – für viele junge Fußballfans ist dieser Name eine Selbstverständlichkeit. Seit über 30 Jahren findet man ihn immerhin Woche für Woche auf den Fußball-Tabellen des Landes. Aber für einige Fußballfans ist genau dieser Name ein regelrechtes Feindbild – und genau diese Fans kommen ausgerechnet aus Fürth und sind Fans der betreffenden Spielvereinigung.
Rückblick: Greuther Fürth hieß nicht immer Greuther Fürth. Als der Verein im Jahre 1903 gegründet wurde, entschied man sich für den Namen Spielvereinigung Fürth. In den frühen Jahren des deutschen Fußballs war man stilprägend, wurde zwischen 1914 und 1929 drei Mal deutscher Meister. Blieb bis 1963 durchgängig in den jeweils höchsten Spielklassen präsent. Dann aber fiel man immer tiefer, bis man sich 1987 sogar in der Viertklassigkeit wiederfand.
1996 entschied man sich deswegen für einen Zusammenschluss mit den Leistungsfußballern des TSV Vesternbergreuth. Die Geschichte dieses Vereins war eng mit einem im Ort angesiedelten Teehersteller verknüpft, der von der Gründung an den Verein finanziell und personell unterstützte. Unter der Führung dieses Teeherstellers, Helmut Hack, entwickelte sich der Verein zu einem der erfolgreichsten Amateurvereine Bayerns. Mehrfach spielte man um die deutsche Amateurmeisterschaft und konnte die traditionsreiche SpVgg. Fürth so sportlich überholen. 1994 konnte man in der ersten DFB-Pokalrunde sogar den FC Bayern München rauswerfen. Doch das Wachstum des Hack-Vereins erschien begrenzt: Vesternbergreuth ist ein kleiner Ort, es gab wenig sportliche Infrastruktur. Hier konnte der Tee-Mogul nicht bis in den Profi-Fußball wachsen. Also schlug er er den Fürthern vor die Kräfte zu bündeln: Ihre Tradition und ihr Standort gepaart mit seinen Ressourcen – das sollte den Fußball in der Region zurück zu alter Stärker führen. Und die Spielvereinigung willigte ein.
Die erste Fußballmannschaft, also die Greuther, traten der Spielvereinigung bei. Eine klassische Fusion war es nicht, der TSV besteht bis heute als eigenständiger Verein fort, brachte also „nur“ einige Fußballer ein. Die aber hatten Gewicht. Denn sportlich sollte Helmut Hack mit seinem Plan Recht behalten. Die SpVgg. Fürth, die seitdem auf den Namen SpVgg. Greuther Fürth hört, kehrte in den Profifußball zurück und konnte zwischenzeitlich sogar in die Bundesliga aufsteigen – die Bundesliga-Gründung hatte der Verein seinerzeit ja auch nur knapp verpasst. Doch viele Fans fremdelten dennoch mit der Fusion, mit der zwischenzeitlich auch ein neues Logo einherging. Sie dankten Hack für den sportlichen Erfolg, aber sie wollten auch ihren Namen zurück.
Über die Jahrzehnte schwellt dieser Konflikt nun schon durch Franken. Mit Erfolgen in der Fanszene, die bereits das traditionsreiche Kleeblatt-Logo zurückerkämpfen konnten. Doch es geht ihnen immer noch um den Namen, das Greuther soll aus dem Vereinsnamen verschwinden. Ihr Argument: Spätestens seit Hack 2018 das Präsidentenamt des Vereins und den Vorstand der ausgegliederten Profi-Abteilung abgegeben hat, ist die Verbindung zwischen beiden Vereinen nur noch durch einige Fans, Aufsichtsratsposten und das Sponsoring eines dort ansässigen Konzerns gegeben. Kurzum: Es steckt kaum mehr Greuther in der Spielvereinigung.
„Unbestritten ist der selbstlose Einsatz und Verdienst von Helmut Hack. Dies soll nie in Vergessenheit geraten und der Verein im Sinne seiner soliden, bodenständigen Wirtschaftsweise weitergeführt werden“, sagt Harald Goth von der Fanorganisation Sportfreunde Ronhof, der die Umbenennung anstrebt. Aber das Kapitel sei eben abgeschlossen. Er kritisiert darum den Umgang mit dem Vereinsnamen seit 1996, da dieser „nicht die Fortführung der langen Tradition, sondern die Schaffung einer neuen Marke“ bedeute. Hier wird auch das Spannungsfeld deutlich, in dem sich der Verein seit langem bewegt. Eingetragener Verein und die Profi-Abteilung nutzen ein unterschiedliches Logo. Fans monieren, dass sie keine Trikots und Merchandise-Produkte kaufen werden, auf denen auch „Greuther“ steht. Die Social-Media-Auftritte heißen allesamt etwas mit „Kleeblatt Fürth“, um den Konflikt mit SpVgg und vor allem Greuther zu umgehen.
Nun aber werden Goth und seine Mitstreiter*innen eine Klärung des Streits herbeiführen. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung steht an, auf der über den Vereinsnamen abgestimmt werden soll. Am 8. November ab 11 Uhr wird auf der Gegengerade des Sportpark Ronhof nach der Begrüßung durch Präsident Volker Heißmann zunächst über das Wahlprozedere abgestimmt, also ob die Abstimmung geheim oder öffentlich durchgezogen wird. Dann darf Helmut Hack ein Grußwort sprechen. Und anschließend brauchen die Fans 75% der Stimmen, um die Namensänderung zu beschließen. Verein und Geschäftsführung haben keine Wahlempfehlung formuliert.
Besonders spannend: Die Unterstützer*innen der Kampagne „Zurück zur SpVgg Fürth“ haben unter dem Namen „CrowdFANding“ eine Spendensammlung gestartet. Dabei sammeln die Fans Geld, verkaufen Shirts, ein Album, Kunstwerke und vieles weiteres, um das gesetzte Ziel von 150.000 Euro zu erreichen. Mit diesem Geld sollen die Kosten der Rückbenennung (unter anderem Änderung von Schriftzügen an Fassaden und Verkehrsschildern, Ausrüstung im Breitensport), die der Verein auf 400.000 Euro bezifferte, zumindest nicht allein dem Kleeblatt überlassen werden. Mehr als 125.000 Euro sind hier bereits zusammen gekommen. Auch von Ultras anderer Vereine.
Spannend wird es also am nächsten Sonntag – auch ohne Heimspiel – am Sportpark Ronhof. Und auch wenn die Fürther sich zurückbenennen, die Greuther werden nicht aus dem Fußball verschwinden. Denn seit 2007 stellt der TSV Vesternbergreuth selbst wieder eine erste Fußball-Mannschaft.
