Die Rivalität zwischen Hannover und Braunschweig ist keine neue Angelegenheit – im Gegenteil: Der Konflikt reicht bis in die Frühe Neuzeit zurück, als Hannover Braunschweig als Machtzentrum ablöste und 1946 schließlich zur Landeshauptstadt ernannt wurde. 1963 dann, also zur Bundesliga-Gründung, stellte Hannover eigentlich die erfolgreichere Mannschaft, doch Braunschweig wurde für die erste Bundesliga-Saison als Teilnehmer ausgewählt. 1973 dann stieg Braunschweig aus der Bundesliga ab – und Hannover auf.
Kurzum: Die Rivalität ist nichts neues. Und doch werden ihr immer wieder neue Kapitel beigefügt. So auch rund um das Niedersachsen-Derby am vergangenen Wochenende. Beziehungsweise im Vorfeld des Aufeinandertreffens in der zweiten Liga: Denn gut zwei Wochen vor dem Spiel drangen Ultras aus Hannover in die Räumlichkeiten der Braunschweiger Anhänger*innen ein, aus denen sie die Materialien für die geplante Choreo für ihr Heim-Derby entwendeten. Rund 50 maskierte Hannoveraner*innen sollen daran beteiligt gewesen sein.

„Mal Hund, mal Baum – in diesem Fall sind wir die Angepissten“, kommentierten die Braunschweiger Ultras dies auf einem Flugblatt, das sie im Rahmen des Derbys im Stadion verteilten. Die Konsequenz: Die Löwen-Fans mussten gänzlich auf eine Choreo verzichten, eine Alternative vorzubereiten sei „schlichtweg nicht mehr möglich“ gewesen. Stattdessen sei es nun die „gottverdammte Aufgabe“ aller Fans ihre Wut über den Choreo-Klau in Unterstützung für die eigene Mannschaft umzumünzen. Dabei appellierten sie auch daran, sich nicht von den 96-Ultras provozieren zu lassen, sollten sie die entwendete Choreo zeigen. Der Support für das eigene Team müsse an erster Stelle stehen.
Die Hannover-Ultras zeigten die entwendete Choreo in der Tat im Stadion. Ihrer Mannschaft helfen konnten sie damit jedoch nicht. Braunschweig gewann das Niedersachsen-Derby mit 2:0. Aus dem Gästeblock flogen nach dem Siegtreffen dann sogar Raketen auf den Rasen. Etwas, was nicht nur Eintracht Braunschweig, sondern vor allem der eigene Verein mit drastischen Worten kritisierte: „Die Eindrücke dieses Tages sind insbesondere durch die inakzeptable Eskalation im 96-Gästeblock kurz vor Ende der Partie geprägt.“ Und weiter: „Dies sind Szenen, die Hannover 96 auf das Schärfste verurteilt und für die es keinerlei Entschuldigung gibt. Die Verursacher waren sich der Konsequenzen ihres Handelns bewusst. Sie haben die Gesundheit anderer Menschen wissentlich gefährdet.“ Man werde sich „aktiv daran beteiligen, die Verursacher dieser Vorfälle zu identifizieren“, hieß es außerdem.
Ansonsten verlief das Derby übrigens friedlich. Bei der An- und Abreise der 1.900 Gästefans gab es keine Zwischenfälle. Die Braunschweiger*innen hatten Wort gehalten. Und die Hannoveraner*innen hatten eigentlich auch keinen Grund für die weitere Eskalation. Denn so bleibt von der diebischen Freude über den Choreo-Klau vor allem das Bild einer gewalttätigen Gästekurve. Und das ist einfach schade.
